Katharina Fleischmann, Ulrike Meyer-Hanschen: Stadt - Land - Gender. Einführung in Feministische Geographien. Königstein, Taunus 2005. 197 S.

Die Autorinnen geben in Kapitel 1 eine Übersicht über die verschiedenen feministischen Ansätze und Strömungen in der allgemeinen Forschungslandschaft. In Kapitel 2 wird - nach der Klärung einiger Begriffe - aufgezeigt, wie Geographinnen, meist Studentinnen, ab Mitte der 1980er Jahren, feministische Forschungsansätze  und Fragen der angepassten Methode auch in die deutschsprachige Geographie einzubringen versuchten und in geographischen Arbeiten umsetzten.

Wegen der meist fehlenden (fachlichen) Unterstützung in ihren Instituten, haben die Forscherinnen Netzwerke aufgebaut, deren Entstehung und Entwicklung hier vorgestellt wird. Kapitel 3 befasst sich mit möglichen Anwendungen feministischer Ansätze in Physischer Geographie. Im darauffolgenden Kapitel werden dann eine Reihe geographischer Qualifikationsarbeiten in (Human-)Geographie mit ihren Inhalten und Methoden beispielhaft vorgestellt, wie sie zwischen 1988 und 1997 an Universitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz entstanden sind, gefolgt von der Zusammenstellung aller Diplomarbeiten, Dissertationen und Habilitationen von 1967 bis 2004. Zum Abschluss stellen zwei Forscherinnen in einem Interview ihre Motivation für feministische Forschung und die dabei von ihnen angewandte methodische Herangehensweise vor (Kapitel 5) und zwei Frauen, die nach dem Studium als Frauenbeauftragte tätig waren, sprechen über die Möglichkeiten der Umsetzung von feministischen Postulaten in der Praxis (Kapitel 6). Das Buch richtet sich an Studierende der Geographie. Die Autorinnen wollen mit ihrem Buch das grundlegende Defizit in (human-)geographischer Lehre und Forschung deutlich machen, das aus der Nichtbeachtung des Gender-Ansatzes unweigerlich resultiert, denn schliesslich machen Frauen die Hälfte der Weltbevölkerung aus. Zudem gab es bisher meist nur angloamerikanische Literatur zu Feministischer Geographie, was stets "Transferleistungen für die deutlich anders gelagerte deutschsprachige Situation des Faches" verlangte. Mit der vorliegenden "Einführung in Feministische Geographien" in deutscher Sprache sollte diese Lücke geschlossen werden. Da die Entwicklung der Forschung bis in die 1990er Jahre beschrieben wird, ist das Buch nicht immer aktuell. Auch zitierte Autorinnen würden wohl heute, zehn Jahre später, Verschiedenes anders formulieren, entsprechend der eigenen und der allgemeinen Entwicklung in der feministischen Wissenschaft. Wertvoll und lesenswert ist das Buch aber als Überblick über das, was sich in der deutschsprachigen Geographie zwischen 1980 und 2000 getan hat. Denn allzu schnell geht das Wissen über die eigene Geschichte - auch in der feministischen Geographie - verloren.

Autorin: Elisabeth Bäschlin

Quelle: Die Erde, 137. Jahrgang, 2006, Heft 1-2, S. 54

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