Akademie für Raumforschung und Landesplanung (Hg.): Handwörterbuch der Raumordnung. Hannover 2005. 4., neu bearbeitete Auflage. 1364 S.

Das neue Handwörterbuch der Raumordnung aktualisiert zehn Jahre nach dem Erscheinen seines Vorgängers den Wissensstand von Forschung und Planung auf dem Gesamtgebiet der Raumordnung. Das bewährte Konzept blieb erhalten. Das Nachschlagewerk ist übersichtlich in seinem Aufbau mit 221 Stichwörtern bzw. abgehandelten Sachgebieten in alphabetischer Reihenfolge und bietet eine Fülle an Informationen zu fast allen einschlägigen Themen und Randgebieten der räumlichen Planung und Forschung.

Die Erläuterungen zu den meisten Standardbegriffen wurden völlig überarbeitet. Bei Übernahme und Kürzung von Texten desselben Autors in beiden Auflagen konnten sich allerdings Schreibfehler einschleichen. Wer sich mit bestimmten Themen vertieft auseinandersetzen möchte, findet jetzt deutlich mehr Literaturhinweise am Ende der einzelnen Artikel als beim Vorgänger. Das neue Handwörterbuch ist um 200 Seiten umfangreicher als sein Vorgänger und wurde doch um 35 Stichwörter reduziert, um aktuelle Problemfelder eingehender behandeln zu können. So finden sich auf mehr als 40 Seiten Themen der europäischen Raumentwicklung und Integration. Dass andererseits Ausführungen zu Begriffen wie "Angsträume" oder "Feministische Raumplanung" fehlen, wird nur ein bestimmter Teil der Nutzer des Handwörterbuchs als Mangel sehen. Andererseits sind die durchaus kompetenten Ausführungen etwa zum Stichwort "Zivilgesellschaft" (15 Spalten) entbehrlich, da sie nur ansatzweise mit zwei kurzen Verweisen (kommunale Planungsprozesse, informelle Instrumente) einen Bezug zum Thema Raumordnung herstellen. Hat sich hier, aber auch bei einigen weiteren Beiträgen, der Redaktionsausschuss einfach nicht getraut, den wegen ihrer anerkannten Fachkompetenz ausgewählten Autoren entsprechende Weisung zu geben? Noch deutlicher wird dieses Manko beim wichtigen Artikel über "Geographische Informationssysteme". Dieser Begriff wird nur theoretisch-abstrakt abgehandelt, ohne auch nur mit einem einzigen Beispiel zu belegen, wie nützlich, ja unentbehrlich GIS für die tägliche Arbeit in der Planungspraxis ist. Unvermeidbar allerdings bei einem Sammelwerk dieser Art mit 210 Artikelverfassern ist deren teilweise sehr unterschiedliche Herangehensweise an die Themen. Jeder Nutzer des Handwörterbuchs wird wissen und verstehen, dass manche Sachverhalte eher theoretisch, andere wiederum leichter anhand empirischer Belege thematisiert werden können. Dazwischen aber liegt ein breites Spektrum, in dessen Rahmen dem Leser vermittelt werden kann, weshalb der einzelne Artikel in einem Handwörterbuch der Raumordnung erscheint. Dies gelingt trefflich mit den Ausführungen zum Thema "Arbeitslosigkeit". Es wird räumlich differenziert problematisiert und mit mehreren Abbildungen planungsrelevant dokumentiert. Anders dagegen im unmittelbar nachfolgenden Artikel zur "Arbeitsmarktpolitik", die zwar zeitnah und gut strukturiert bis Hartz IV abgehandelt wird, aber mit einer für viele Ökonomen typischen Abgehobenheit und Raumferne, die den Planer ratlos lässt. Die wenigen vorgetragenen Einlassungen können und sollen den Wert des neuen Handwörterbuchs der Raumordnung nicht schmälern. Es wird wiederum zum täglichen Handwerkszeug von Wissenschaftlern, Praktikern und (hoffentlich) auch Politikern auf dem Gebiet der räumlichen Planung gehören. Zu wünschen wäre allerdings, dass sich auch Studierende und Erdkundelehrer mit relevantem Kursangebot dieses Werk leisten können. Leseproben sind auf der Website der Akademie für Raumforschung und Landesplanung abrufbar (www.arl-net.de).

Autor: Georg Kluczka

Quelle: Die Erde, 137. Jahrgang, 2006, Heft 1-2, S. 100

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