Jann M. Witt: Die Ostsee – Schauplatz der Geschichte. Darmstadt 2009. 144 S.

Die Geschichte des Ostseeraumes auf knapp 140 großzügig bebilderten Seiten im Überblick darzustellen, ist ein durchaus anspruchsvolles Unterfangen. So muss es bei einem Überblick bleiben, der immer wieder durch interessante Einzelheiten ergänzt wird. Der Verfasser schreibt in seinem Vorwort denn auch, dass dieses Buch ein Anreiz sein soll, sich mit der Geschichte der Ostsee als eines verbindenden Raumes zu befassen. Entsprechend kann auch das Literaturver-zeichnis, das 34 überwiegend neuere Titel der letzten Jahre umfasst, darunter auch einige Dänische, nur den Einstieg in die Beschäftigung mit dem Thema bieten.

 

Am Anfang des Bandes steht eine politische (Übersichts-)Karte Skandinaviens und des Ostseeraumes, die eine grobe Orientierung im Raum ermöglicht. Der Band wird eingeleitet mit einer kurzen Darstellung zur Besiedlungs-und Kulturgeschichte, an die sich chronologisch weitere Kapitel anschließen. Mittelalter und frühe Neuzeit werden auf jeweils rund 30 Seiten dargestellt, während dem 19. Jahrhundert unter dem Titel „Restauration, Revolution und Reichsgründung“ dann schon 20 Seiten gewidmet werden. Die weiteren Teile des insgesamt 146 Textseiten umfassenden Buches befassen sich mit dem 20. und 21. Jahrhundert.

Der Schwerpunkt liegt somit eindeutig und für eine Überblicksdarstellung sicher nicht zu Unrecht in der neuesten Zeit. Vor allem die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, der Kalte Krieg und die gewaltigen politischen Umwälzungen nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und der politischen Neuordnung erhalten breiten Raum. Das Schlusskapitel befasst sich unter dem Titel „Die Ostsee heute“ dann mit den aktuellen Fragen des wirtschaftlichen Wachstums und des vereinten Europas. Mit Ausnahme Russlands und Norwegens sind heute alle Ostseeanrainer Mitglied der Europäischen Union. Die nicht nur wirtschaftlichen Möglichkeiten, die sich hieraus ergeben und die mittlerweile überaus enge Zusammenarbeit der Anrainernationen sowohl in überstaatlichen Gremien und Organisationen als auch im „täglichen Geschäft“ machen die Ostsee heute zu einer Modellregion für eine intensive und friedliche internationale Zusammenarbeit.
 
Eine Übersichtsdarstellung dieses Umfangs kann naturgemäß auch nicht große Ereignisse darstellen, sondern muss sich mit einer starken Generalisierung begnügen. Diese wird im vorliegenden Band durch verschiedene Stilmittel ergänzt. Zum einen sind dies tabellarische Übersichten zur historischen Entwicklung, die farbig hervorgehoben, übersichtlich gegliedert und knapp in der Darstellung den Text gliedern. Zahlreiche großformatige, oftmals ganzseitige Bilder guter Qualität mit kurzen Erläuterungen lockern den Text auf und ergänzen ihn. Die Auswahl der Bilder ist weitgehend gelungen und charakteristisch für die jeweilige Epoche. Allerdings fragt man sich bei manchen Abbildungen, ob diese für die beabsichtigte Aussage wirklich so groß sein müssen. So erstreckt sich das sicher eindrucksvolle Foto des Silberkessels von Gundestrup über fast eine Doppelseite; etwas kleiner und ein paar Abbildungen mehr wäre vielleicht auch schön gewesen. Dies gilt auch für andere Abbildungen im Werk. Hilfreich wäre es ggf. auch gewesen, das eine oder andere kleine Kärtchen im Text zu finden, das dem im Raum nicht erfahrenen Leser die Orientierung erleichtert hätte.

Eine wichtige Ergänzung des Fließtextes sind die eingestreuten, in gleicher Weise wie die Zeittabellen farblich abgesetzten Textkästchen, die jeweils eine halbe oder sogar ganze Seite umfassen. In ihnen wird versucht, bedeutende Persönlichkeiten oder Ereignisse der jeweiligen Zeit darzustellen. So findet sich auf Seite 30 ein Textkasten zu Hermann von Salza, der als Hochmeister des Deutschen Ordens die Ordensherrschaft in Preußen begründete. Leider ist hier durch einen extrem breiten Zeilenabstand viel Platz geopfert worden, der für weiteren Text oder eine Abbildung hätte genutzt werden können. Ebenso wurden im Textkasten für Immanuel Kant (S. 66) Gestaltungsmöglichkeiten vergeben. Dagegen sind den Vitalienbrüdern (S. 35) oder z.B. dem unglücklichen schwedischen Flaggschiff Wasa (S. 49) jeweils ganz eng bedruckte und sehr informative Seiten gewidmet worden, die zudem durch aussagekräftige Abbildungen ergänzt werden. Diese Platzverteilung ist aber vermutlich nicht durch den Autor, sondern wohl eher durch das Layout zu vertreten. Die Auswahl der verschiedenen Ergänzungstexte ist bei der Vielzahl möglicher Ereignisse gelungen und informativ, die sparsame Verteilung überfrachtet das Buch nicht und lenkt nicht vom eigentlichen Fließtext ab.

Insgesamt stellt der Band einen kurzen, stark generalisierten Überblick über die Geschichte des Ostseeraumes dar, der einige wesentliche Informationen vermittelt und zur Beschäftigung mit diesem Raum und seiner Entwicklung anregt.
Hartmut KLÜVER, Karlsruhe

Berichte zur deutschen Landeskunde, Bd. 84, H.1, 2010, S. 99-100

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