Werner Bischoff: Frankfurt am Main: Stadtentwicklung und Architektur. Beobachtung zur Beziehung von Wolkenkratzern zur Stadt. Frankfurt/M. 1998 (Frankfurter Beiträge zur Geographiedidaktik, Bausteine und Materialien 1). 57 S.

Um ein großes Thema in einem relativ kurzen Text abzuhandeln, muß der Autor die Zügel der Argumentation fest in der Hand halten. Werner Bischoff tut dies in seiner Kurz-Monographie über das Wechselverhältnis von Architektur und Stadtentwicklung am Beispiel von Frankfurt am Main auf gekonnte und inspirierte Weise. Der Text ist ein gelungenes und ansprechendes Beispiel für eine ebenso politisch wie theoretisch ambitionierte zeitdiagnostische Stadtforschung.

Frankfurt/M. ist die wohl mutigste Stadt Deutschlands, wenn es um die bewußte Gestaltung der eigenen Skyline geht. Das intensive Zusammenwirken von Tertiärisierung, Globalisierung und Metropolitanisierung, von Bankenzentrum, Hochhausentwicklung und stadträumlicher Transformation hat deshalb schon viele Stadtforscher zu weitreichenden Interpretationen neuartiger Urbanisierungsprozesse am Beispiel dieser Stadt inspiriert. Oftmals hat der Diskurs dabei unter eher soziologischen Perspektiven des Spannungsverhältnisses von z.B. Zitadelle und Ghetto stattgefunden. Werner Bischoff wirft einen etwas anderen Blick auf das Phänomen, indem er das Wechselverhältnis von baulicher Struktur und städtischer Transformation untersucht. Er stellt die Frage, "welche Beziehung die Wolkenkratzer durch ihre bauliche Ausprägung zur Stadt einnehmen" (S. 1). Hierbei verfolgt er das Ziel, "unter Zuhilfenahme theoretischer Erklärungskonzeptionen von Stadt (Postmoderne vs. Moderne Architektur, Urbanität, 'Kapitalbesitz') ..., Einblick in dieses wandelnde, mehrdimensionale Beziehungsgeflecht zu gewinnen" (S. 2).

Um die Fragestellung zu beantworten, wendet sich Werner Bischoff zunächst knapp, präzise und anspruchsvoll wichtigen sozialwissenschaftlichen Grundlagen der Stadtforschung zu. Zentrale Aspekte zum Verhältnis von Stadt, Raum und Urbanität werden auf theoretisch hohem Niveau reflektiert. Anschließend wird der Stand der Stadtforschung zu Frankfurt am Main in seinen wesentlichen Zügen vorgestellt. Im dritten Kapitel schließlich steht das eigentliche Thema der Arbeit, das Verhältnis von Architektur, Stadt(begriff) und Hochhäusern am Beispiel zweier Skyscraper in Frankfurt im Mittelpunkt. Der Autor liefert eine dichte Interpretation zum Verhältnis von Architektur und Stadtraum. Er zeigt, wieviele Bedeutungen sich aus der Gestaltung eines einzelnen Gebäudes ablesen lassen. Vor allem setzt Werner Bischoff seine Überlegungen auf sehr wohltuende Weise mit den vorher theoretisch eingeführten Konzepten und Begriffen von Stadt, Raum und Urbanität und dem lokalen stadtentwicklungspolitischen Kontext in Frankfurt/ M. in Beziehung.

Insgesamt handelt es sich um eine theoretisch sehr informierte Studie, die Detailfragen baulicher Gestaltung auf größere Fragen der Tertiärisierung und Globalisierung der Stadtentwicklung rückbezieht. Zwei Dinge wären aus für weitergehender Sicht vielleicht wünschenswert. Erstens wäre es interessant, Werner Bischoffs Interpretationen zur der Rolle der Hochhäuser in Frankfurts Stadtentwicklung mit den Alltagswahrnehmungen der Gebäudenutzer und Stadtbewohner empirisch zu vergleichen. Zweitens wäre es m. E. wünschenswert, eine so gute Studie nicht als Kurz- Monographie in einer (weiteren, neu gegründeten) Geographischen Schriftenreihe mit sicherlich relativ kleiner Auflage zu veröffentlichen, sondern in einer anerkannten Zeitschrift als Aufsatz zu publizieren - damit sie tatsächlich die Öffentlichkeit bekommt, die sie verdient.

Autorin: Ilse Helbrecht

Quelle: geographische revue, 1. Jahrgang, 1999, Heft 1, S. 90-91

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