Ralf Ebert, Klaus R. Kunzmann, Bastian Lange : Kreativwirtschaftspolitik in Metropolen. Hamburg 2012. 92 S.

Für Wirtschaftsgeografie und Regionalökonomie bleibt die Kreativwirtschaft weiterhin ein aktuelles Feld. Viele Städte und Regionen lassen Berichte über die Situation, Entwicklung und Potenziale der Kreativwirtschaft erstellen. Die Ausrichtungen, Schwerpunkte und Massnahmen unterscheiden sich aber von Stadt zu Stadt. Die Autoren von Kreativwirtschaftspolitik in Metropolen verfolgten das Ziel ebendiese zu vergleichen, im Wissen um die Unterschiedlichkeit der kulturellen, politischen und ökonomischen Hintergründe. In den Vergleich wurden vier deutsche Metropolen einbezogen, nämlich Hamburg, Berlin, München und Köln, in denen es bezüglich Parametern wie Beschäftigung, Umsatz, Brancheneinteilung auch vergleichbare Zahlen gibt.

Im europäischen Ausland wurden Amsterdam, Kopenhagen und Wien hinzugezogen, ausserdem Hongkong und Melbourne. Die Auswahl wurde anhand ähnlicher Rahmenbedingungen in Ökonomie, Bevölkerungszahl, Bedeutung als Kulturstadt, sowie mehrjähriger aktiver, innovativer Förderung der Kultur- und Kreativwirtschaft getroffen. Für den Vergleich wurde ein Raster angelegt, bestehend aus Strukturmerkmalen der Metropolen (Bevölkerung, Beschäftigung, politische und kulturelle Funktion u. a. m.), Kreativwirtschaftsstrategien und Steuerungsformen (Organisation, Charakter, raumbezogene Aspekte etc.), Programmen und Projekten bezüglich Akteuren und Zielgruppen, Netzwerken und Plattformen, räumlichen Schwerpunkten, Marketingmassnahmen, Laufzeiten. Trotz der Schwierigkeit der Vergleichbarkeit ist dank diesem Raster ein interessanter Vergleich zustande gekommen.

Berlin, welches wahrscheinlich die aktivste Rolle in der Förderung der Kreativwirtschaft einnimmt, zeigt sich weiterhin als attraktiver Stand- und Zielort für «Kreative». Freie Gewerbeflächen und vergleichsweise tiefe Mieten, eine Vielfalt an kulturellen Szenen erleichtern die kreativwirtschaftspolitischen Bemühungen, welche in Fördermitteln, Mikrokrediten und günstigen Darlehen, Kampagnen, Coachingangeboten, Vernetzungen und übergreifenden Programmen zwischen Unternehmen, Politik, Verwaltung und Verbänden bestehen. Wie Berlin verfügen auch die anderen drei untersuchten deutschen Metropolen über gewichtige Medienunternehmen im Film- und TV-Bereich (WDR in Köln), ausserdem über Gründerzentren und Mediaparks. In München, wo weniger sub- und soziokulturelle Szenen bestehen, ist ein Kreativquartier auf Arealen der Stadtwerke geplant. Ausserdem gibt es 16 offizielle Kreativstandorte. Hongkong kennt im Unterschied zu allen anderen Beispielen keine eigentlichen Kreativquartiere. Die Aktivitäten sind verstreut über die Metropole und die Kulturinstitutionen spielen eine herausragende Rolle, ebenso wie der Kunstmarkt am Tor zu China. Die Förderung der Kreativwirtschaft wird seit 2009 aus einem Pool von 300 Millionen HK$ gespeist. Melbourne kennt keine eigentliche Kreativwirtschaftspolitik. Allerdings betreibt der Bundesstaat Victoria eine intensive Kulturpolitik und fördert indirekt die Kreativwirtschaft. Kopenhagen andererseits setzt auf die typischen Kreativbranchen wie Design, Film und Media und verfolgt keine Raumpolitik ausser punktuell mit Flagship-Projekten wie Opernhaus (2005), Konzerthalle (2009) und königlicher Bibliothek (1999).

Ganz im Gegensatz dazu hat Amsterdam schon vor Jahren das Programm der Brutplätze realisiert, mit welchem es sich den Nachschub an innovativen und kreativen Produkten und Dienstleistungen über die räumlichen Rahmenbedingungen sichert.

Die herausgearbeiteten Profile der verschiedenen Metropolen sind (auch in ihrer Kürze) äusserst interessant zu lesen und gut nachvollziehbar. Zum Schluss werden Hinweise für eine zukunftsorientierte Kreativwirtschaftspolitik in Metropolen genannt. Diese Hinweise sind aber durchaus wohlüberlegte Schlussfolgerungen und Empfehlungen zur Koordination von ressortübergreifenden Massnahmen, der Unterstützung der Selbststeuerung von Netzwerken, der Einbindung soziokultureller Gruppen mit Migrationshintergrund. Als zentrale Handlungsfelder werden die Verankerung der Kreativwirtschaftspolitik in Politik und Verwaltung, ein besserer Einbezug in das Bildungswesen, die Implementierung geeigneter Finanzierungsformen und die Schaffung und Sicherung kreativer Räume und Arbeitsmöglichkeiten erachtet.

Dieses dünne und (im Vergleich zu vielen Kreativwirtschaftsberichten) unaufgeregt daherkommende Werk besticht durch seinen reichen und präzisen Inhalt, dessen Zielsetzung, die Kreativwirtschaftspolitiken in Metropolen zu vergleichen, als gelungen bezeichnet werden darf.
Philipp Klaus, Zürich

Quelle: disP 190, 3/2012, S. 77-78

 

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