Peter Dannenberg: Standards in internationalen Wertschöpfungsketten. Akteure, Ziele und Governance in der Obst- und Gemüse-Wertekette Kenia-EU. Münster (Reihe Wirtschaftsgeographie 53) 2012. 270 S.

Der Verfasser befasst sich in seiner publizierten Habilitationsschrift mit der Frage, wie sich Standards auf die Organisation und Steuerung internationaler Wertschöpfungsketten auswirken und wie sich deren Wirkung im Kontext konzeptioneller Arbeiten einordnen und bewerten lässt. Als Beispiel wird Global-GAP gewählt, das als Qualitätssystem für die Landwirtschaft weit verbreitet ist und verbindliche Richtlinien für den Obst- und Gemüseanbau definiert.

Im konzeptionellen Teil diskutiert Kap. 2 zunächst allgemeine Grundlagen zu Standards und deren Beziehungen zu Ansätzen, die multiskalare Wertschöpfungsketten in den Mittelpunkt der Betrachtung stellen. Diese werden ergänzt um die Prinzipal-Agenten-Theorie sowie Aspekte der Informalität und (räumlichen) Nähe. Nach der Vorstellung des Arbeitsprogramms (Kap. 3) widmet sich der empirische Teil zunächst dem Umfeld und den Akteuren in der Marktregion Europa (Kap. 4), bevor die Wertschöpfungsketten im kenianischen Gartenbau detailliert betrachtet werden (Kap. 5 und 6). Abschließend werden Handlungsperspektiven erarbeitet (Kap.7). Die Arbeit umfasst insgesamt 270 Seiten einschließlich des ausführlichen Literaturverzeichnisses.

Die Analysen von Peter Dannenberg tragen wesentlich dazu bei, die Wirkungen von Standards in Wertschöpfungsketten besser zu verstehen. Empirisches Fundament der inhaltsreichen Studie sind qualitative Interviews mit Akteuren – entlang der Wertschöpfungskette – in der Marktregion Europa und in der Produzentenregion Kenia sowie eine quantitative Befragung von Produzenten in Mt. Kenya als wichtige Anbauregion für den exportorientierten Gartenbau. Ein wichtiges Ergebnis der empirischen Analysen ist die Bedeutung informeller Arrangements im kenianischen Obst- und Gemüseanbau. Vertikale und horizontale Allianzen ermöglichen es den kenianischen Kleinbauern einerseits trotz fehlender Zertifizierung und individuell schwacher Verhandlungsposition dennoch für den europäischen Markt zu produzieren. Andererseits illustrieren diese Formen der Kooperation die Limitationen von internationalen Standards wie Global-GAP. Im Unterschied zu vielen anderen Arbeiten betont der Autor hierbei die indirekten Einflüsse, die aus der Marktregion (Europa) über die Wertschöpfungskette und den Standard Global-GAP auf die Akteure in der Produzentenregion Kenia einwirken. Die abschließenden Handlungsperspektiven empfehlen eine Anpassung und Vereinfachung des Wissenstransfers und eine Umsetzung der Standards, eine stärkere Berücksichtigung bestehender Organisationsformen, wie z.B. die Nutzung vorhandener Produzentengemeinschaften, eine Verbesserung des institutionellen Rahmenwerkes sowie weitere Maßnahmen in der Produzentenregion, die z.B. dem Ausbau der Infrastruktur dienen. Fazit: Eine theoretisch fundierte, empirisch gestützte Studie, die einen wichtigen Beitrag zum besseren Verständnis von internationalen Standards in den sich globalisierenden Wertschöpfungsketten der Lebensmittelproduktion leistet.
Christine Tamásy (Vechta)

Quelle: DIE ERDE, Vol. 145, 1-2/2014, S. 114

 

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