Nicole de Temple 2005: Einfamilienhaussiedlungen im Wandel. Eine Untersuchung zum Generationswechsel vor dem Hintergrund des soziodemografischen Wandels am Beispiel der Stadt Dortmund. ISR Arbeitshefte. Berlin: TU Berlin. 174 S.

Die Wissenschaft beschäftigt sich seit längerem mit dem sozialdemographischen Wandel in Deutschland und seinen Auswirkungen auf die räumliche Entwicklung. Waren jedoch bisher vor allem Grosssiedlungen, Plattenbaugebiete und schrumpfende Regionen im Fokus, so rücken nun langsam, aber sicher auch Einfamilienhaussiedlungen ins Zentrum der Diskussion. Nicole de Temple befasst sich in ihrer explorativen Studie mit diesem wenig erforschten Thema und untersucht am Beispiel der Stadt Dortmund Siedlungen unterschiedlicher Bauphasen – Werkswohnungsbau bis 1918, Heimstätten der 1920er-/1930er-Jahre, Familienheime der 1950er-Jahre sowie Siedlungen der 1960er-Jahre – und die stark differenzierten Veränderungen in diesen Gebieten. In ihrer Arbeit stehen die Auswirkungen des sozialen und demografischen Wandels auf die Einfamilienhaussiedlungen im Zuge eines Generationswechsels im Mittelpunkt. Die Dynamik der Wohnbevölkerung in Siedlungen der verschiedenen Bauphasen wird im ersten Teil der Studie mit Hilfe eines vierteiligen Indikatorensets statistisch analysiert. Als Indikatoren zieht de Temple die Einwohnerentwicklung, Fluktuationsrate, Wohndauer und Altersstruktur heran. Im zweiten Teil werden spezifische Siedlungskarrieren unabhängig von den Bauphasen identifiziert und typologisiert. Daraus folgert sie Faktoren(-bündel), die diese vorgeben bzw. auslösen. Durch Interviews mit Bewohnerinnen, Bewohnern und Siedlergemeinschaften sowie durch eigene Beobachtungen vor Ort identifiziert sie schliesslich vier Typen des Wandels: Altersresidenz (Zuzug 50- bis 55-Jähriger), generationenübergreifendes Wohnen, Zuzug ausländischer Bevölkerungsgruppen und den Klassiker (Übernahme des Elternhauses durch die Kinder). Als entscheidend erweisen sich unter anderem das Wohnumfeld und die Erweiterungsmöglichkeit der Wohnfläche für die Entwicklungsrichtung einer Siedlung. Da die verschiedenen Typen des Wandels zeigen, dass Einfamilienhaussiedlungen im Zuge des soziodemografischen Wandels stark differenzierten Veränderungen unterliegen, wird für die kommunale Wohnungswirtschaft derzeit ein intensiver, kleinräumlich präziser Beobachtungsbedarf betroffener Gebiete empfohlen, um zeitnah steuernd eingreifen zu können.

De Temples Studie ist ein interessanter Baustein in diesem noch jungen Forschungsgebiet zur Zukunft der Einfamilienhaussiedlungen. Der sozialdemografische Wandel wird sich in der nächsten Zeit vor allem auch in den eher peripheren und mit dem öffentlichen Verkehr schlecht erschlossenen Einfamilienhaussiedlungen niederschlagen. Diese Entwicklung sollte vermehrt von der Wissenschaft aufgegriffen werden, damit frühzeitig Strategien zum Umgang mit diesem Wandel entworfen werden können.

Barbara Schultz, Zürich

 

Quelle: disP 172, 1/2008, S. 104

 

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