Leo de Haan and Piers Blaikie (Eds.): Looking at maps in the dark. Directions for geographical research in landmanagement and sustainable development in rural and urban environments of the Third World. Amsterdam 1998 (Nederlandse Geografische Studies 240). 165 S.

Hinter dem euphemistischen Titel verbirgt sich eine Zusammenstellung ausgewählter Konferenzbeiträge, die anläßlich des Internationalen Geographentages in Den Haag 1996 auf dem Symposium "Land Management and Sustainable Development in Rural and Urban Environments of the Third World" präsentiert wurden. Der schmale Band bietet jedoch mehr, als die bloße Wiedergabe locker miteinander verbundener Fallstudien. Der einleitende Beitrag von PIERS BLAIKIE setzt sich zum Ziel, Paradigmen der Entwicklungsforschung zu hinterfragen und mögliche Wege für zukünftige geographische Arbeiten aufzuzeigen. Zwei Dominanten charakterisieren die geographische Entwicklungsforschung der jüngsten Zeit: einmal die zunehmende Bedeutung des Umweltbezuges und seine Verknüpfung mit gesellschaftspolitischen Aspekten, zum zweiten die Hinwendung zu akteurszentrierten postmodernen Perspektiven. Beide Perspektiven greift der renommierte Vordenker umweltorientierter Entwicklungsgeographie auf und vereint sie in dem Paradigma des "neo-populist developmentalism", das zudem durch Modernisierungskritik, Partizipationsrhetorik und Anerkennung von lokaler Diversität und "local knowledge", Wahrnehmung von Wissen als Konstrukt und Machtfaktor, Anwendung spezifischer methodischer Instrumente wie "rapid rural appraisal", "participatory learning and action" etc. charakterisiert wird. Der stärkere Einbezug der Adressaten von Entwicklungsmaßnahmen gilt als Testfall für die erneuerte Herangehensweise. Welche Funktion haben die Stadt- und Landbewohner des Südens in diesem Kontext, wie positionieren sich Forscher, Entwicklungsbürokraten und Experten, welche Formen nachhaltiger Entwicklung werden in unterschiedlichen Kontexten diskutiert? Diesen Fragen wird in den sieben Fallstudien nachgegangen - rechnet man Malaysia nicht zum Süden, entstammen alle Beitragenden aus dem Norden -, wenn es um interdisziplinäre Forschung über Pastoralismus in Benin (LEO DE HAAN), Wasser-Management in Tansania (HAAKON LEIN), Transformationsprozesse in marokkanischen Oasen (HEIN DE HAAS), landwirtschaftliche Kolonisationsprojekte im Grenzgebiet Brasilien-Paraguay (MARIECKE VAN DER GLAS), Kamelhalter in Nordost-Kenia (KAZUNOBU IKEYA), lokale Ansätze zum "rangeland management" in Australien (ELSPETH YOUNG), städtische Umweltverschmutzung in Malaysia (MOHD. NASIR HASSAN, ZULINA ZAKARIA, RAKMI ABDUL RAHMAN) geht. Im abschließenden Kapitel versuchen die Herausgeber, "Karten im Dunkeln zu lesen", und die Erkenntnisse aus den einzelnen Beiträgen vor dem Hintergrund des "neo-populist developmentalism" zu reflektieren und über sich daraus ergebende neue geographische Arbeitsfelder nachzudenken: "The elaboration and critique of neo-populist developmentalism is certainly in the mainstream of the more post-modern direction of much of contemporary geography. It also broaches the subject-object problematic and asks awkward questions about knowledge and power which encompasses the researcher (and the funders) as well as the object of research" (p. 163). In der Tat werden in diesem Band mehr Fragen aufgeworfen, als die Autoren und Autorinnen beantworten können, es handelt sich jedoch um wichtige und weiter zu diskutierende Fragen geographischer Entwicklungsforschung, und daher sei das Werk allen daran Interessierten anempfohlen.
Autor: Hermann Kreutzmann

Quelle: Erdkunde, 54. Jahrgang, 2000, Heft 3, S. 276-277

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