Klaus Frantz: Indian Reservations in the United States. Territory, Sovereignty, and Socioeconomic Change. Chicago/London 1999. 370 S.

Das anzuzeigende Werk ist in wesentlichen Teilen die englische Übersetzung des 1993 beim Steiner-Verlag erschienenen Bandes über "Die Indianerreservationen in den USA" (Erdkundliches Wissen, H. 119), dessen Inhalt bereits an anderer Stelle ausführlich besprochen wurde (Erdkunde 48/2). In die amerikanische Fassung sind Text sowie Karten und Tabellen größtenteils unverändert übernommen worden. Dementsprechend spiegeln Statistiken und Kartogramme vor allem den Stand um 1991 oder den früherer Daten wider. Vergleichbares gilt für die Darstellung des Forschungsstandes. Der Gliederungsaufbau wurde amerikanischen Mustern angepaßt und mit möglichst wenigen Unterpunkten versehen. Dennoch sind alle wesentlichen Punkte der deutschen Ausgabe vertreten.
Die "Indian Reservations" sind jedoch mehr als eine bloße Übersetzung der Erstausgabe. Insbesondere die völlig neu gestaltete und wesentlich erweiterte Zusammenfassung bietet eine Vielzahl neuer Fakten. Sie fällt in der Einschätzung zukünftiger Entwicklungsmöglichkeiten von Indianerreservationen in den USA durchweg positiver aus als das noch eher düstere deutsche Nachwort. Dies gilt insbesondere für die Beurteilung der potentiellen ökonomischen Entwicklungschancen sowie zahlreicher veränderter gesetzlicher Rahmenbedingungen, für deren Auswertung der Autor vermehrt Zeitungs- und Internetquellen der letzten Jahre herangezogen hat. So hat die amerikanische Ausgabe auch den Lesern, die schon mit der deutschen Fassung vertraut sind, noch eine Fülle neuerer Informationen zu bieten.
Höher als Aktualisierungen statistischen Materials ist jedoch die Tatsache zu bewerten, daß dem Standardwerk von FRANTZ mit der Aufnahme in die renommierte Reihe der Geography Research Papers der University of Chicago Press eine große Anerkennung zuteil wird. Dies sowie die ersten, durchweg positiven Rezensionen in der amerikanischen Fachliteratur (z. B. Tribal Planning Program, Eastern Washington University; Dept. of Geography, Arizona State University) könnten ein Indikator dafür sein, daß die vermeintlich einsame deutschsprachige Geographie in Teilbereichen möglicherweise doch internationaler ist als befürchtet. Vor allem aber belegt die nahezu unveränderte Übernahme, daß die US-amerikanische Geographie in bezug auf die Bearbeitung eines wichtigen Teilbereichs der eigenen Kulturgeschichte und der daraus bis heute nachwirkenden Themen zur Zeit noch wenig Vergleichbares zu bieten hat.
Autor: Andreas Dittmann

Quelle: Erdkunde, 54. Jahrgang, 2000, Heft 3, S. 281

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