Thomas Schmitt: Ökologische Landschaftsanalyse und -bewertung in ausgewählten Raumeinheiten Mallorcas als Grundlage einer umweltverträglichen Tourismus-entwicklung. Stuttgart 1999 (Erdwissenschaftliche Forschung, Band XXXVII). 338 S.

Die vorliegende Abhandlung basiert auf Grundlagen und Theorien zur Fremden-verkehrsgeographie, klassischen sowie jüngeren Arbeiten zur Landschaftsökologie sowie raumplanerisch wichtigen Theorien und Modellansätzen zur ökologischen Analyse und Bewertung von Landschaftsräumen. Zur Analyse des Landschaftswandels Mallorcas hat TH. SCHMITT gezielt Teilräume ausgewählt, die das weite natur- und kulturräumliche Spektrum dieser mediterranen Insel, deren spezifisch touristische Nutzungspotentiale sowie mögliche Nutzungskonflikte erkennen lassen. Im gewählten Zeitabschnitt von 1968 (touristischer Aufschwung) bis 1991/92 sind auf Mallorca gravierende - primär touristisch bedingte - Landschaftsveränderungen eingetreten, die sich bis zum heutigen Tage fortsetzen. Angestrebt werden vom Autor letztlich flächendeckende Aussagen zum Natürlichkeitsgrad von Landschaftselementen, insbesondere von Vegetations- und Biotoptypen, sowie Aussagen über das Ausmaß flächenhafter, vor allem tourismusinduzierter Änderungen im agraren Sektor und im überbauten Siedlungsbereich. Zugleich sollen sogenannte "Verlustbilanzen von Biotoptypen" als ein wesentlicher Belastungsindikator aufgestellt werden. Verfahrenstechnisch bedient sich TH. SCHMITT dazu des bewährten Einsatzes von GIS. Wichtige Ergebnisse sind die großmaßstäbigen Biotoptypenkarten im Anhang. Sie erlauben vertiefte Kenntnisse über deren Natürlichkeitsgrad. Darauf basierend werden anhand einer qualitativen Bewertung der Biotoptypen Naturschutz- und Erholungswert ermittelt.
Zum Nachweis primär tourismusinduzierter Landschaftsbeeinträchtigungen auf Mallorca bietet sich vorrangig die Analyse des Küstenraums an. Sie resultieren aus der bekanntlich großen Störanfälligkeit von Küsten- und Dünenökosystemen auf Eingriffe aller Art - seien sie verursacht durch bloßen Tritt oder den massiven Ausbau touristischer Infrastrukturen. Hierzu werden von TH. SCHMITT Sandstrand-, Dünen- und Felsgesellschaften charakterisiert und zu Relief sowie Salzexposition in Beziehung gesetzt. Aussagekräftige Profile zur Vegetationszonierung lassen die vielfach mosaikartige Durchdringung der Pflanzengesellschaften erkennen. Modellartig wird die Zerstörung und Degradation psammophiler Ökosysteme belegt. Ähnliches gilt für ausgewählte Felsküsten sowie küstennahe Feuchtgebiete (Marschen, Lagunen und Flussmündungen).
Auf breiter Basis erfolgt die Landschaftsbewertung, und zwar hinsichtlich der Landschaftsfunktionen Naturschutz und Erholung. Dazu wählt TH. SCHMITT einen Bewertungsansatz auf Biotoptypen-Ebene. Als Kriterien dienen ihm Natürlichkeit, Gefährdung, Diversität, Seltenheit und Flächengröße sowie deren jeweilige Merkmalsausprägungen, die in das naturschutzfachliche Bewertungsverfahren einbezogen werden. Die Verknüpfung dieser Parameter erlaubt, naturschutzfachliche Prioritäten für die Landschaftsplanung (absoluter bis hin zu keinem Naturschutzanspruch) abzuleiten.
Zur Ermittlung der Erholungsfunktion werden als Bewertungskriterien Relief, Grenzlinieneffekt und Landnutzung herangezogen, die durch Merkmalsausprägungen noch weiter differenziert werden. Die Umsetzung dieses Verfahrens - für die Erholungseignung (in drei Stufen) - fällt in den ausgewählten Testgebieten positiv aus. Aufschlussreich ist ferner die Ermittlung des Konfliktpotentials der drei Untersuchungsgebiete, das sich aufgrund der landschaftsbezogenen Erholungsaktivitäten sowie der erholungsrelevanten Erschließungsfaktoren auf Natur und Landschaft, Biotoptypen und Naturschutz auswirkt. Gegenmaßnahmen zum Abbau bestehender Nutzungskonflikte sind zwingend erforderlich.
Die Studie über die beliebteste "Ferieninsel der Deutschen" ist anregend, innovativ, mit umfangreichem Kartenanhang versehen und zur Anschaffung - trotz des hohen Preises - empfehlenswert vor allem für Pflanzengeographen, Landschaftsökologen, Planer sowie Tourismusexperten.
Autor: Manfred Meurer

Quelle: Erdkunde, 54. Jahrgang, 2000, Heft 4, S. 387

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