Sebastian Kisters: "Ruhrpott, Ruhrpott!" Wie die Europapokaltriumphe von Schalke 04 und Borussia Dortmund Image und Identität des Ruhrgebiets veränderten. Bochum 2000 (Materialien zur Raumordnung, Band 56). 121 S.

"Die Welt ist zwar kein Fußball, aber im Fußball, das ist kein Geheimnis, findet sich eine Menge Welt." Diese Worte des Schriftstellers Ror Wolf sind in besonderer Weise bei der Lektüre von Sebastian Kisters' Arbeit "Ruhrpott, Ruhrpott!" nachzuempfinden. Sebastian Kisters erörtert die Frage, in welcher Weise die Europapokalerfolge von Borussia Dortmund und Schalke 04 aus dem Jahr 1997 Image und Identität des Ruhrgebiets verändert haben. Gerne habe ich dem Wunsch der geographischen revue entsprochen, die Ausführungen von Sebastian Kisters zu diesem hoch interessanten Thema aus meiner Sicht, also aus der Sicht des Managers von Borussia Dortmund, zu beleuchten.
Meiner kurzen Betrachtung stelle ich zunächst eine provozierende, wenn auch nicht all zu ernst gemeinte Bemerkung voran. - Sebastian Kisters kann in seiner teils feuilletonistischen Darstellung eines nicht verbergen: Sein Fußballherz schlägt blauweiß! Vielleicht erklärt diese Vermutung, dass die Themenstellung nicht das hält, was sie zunächst verspricht: Nämlich die ausgewogene Untersuchung, wie sich die internationalen Triumphe von Schalke und Dortmund auf die Menschen und auf die Struktur des Ruhrgebiets ausgewirkt haben. Kisters konkretisiert seine These, die Region habe sich durch die besagten Europacup-Erfolge neu entdeckt, im wesentlichen am UEFA-Cup-Sieg des FC Schalke 04. Uns hätte interessiert, in wieweit der Champions-League-Erfolg des BVB zu diesem Bewußtseinswandel beigetragen hat. Leider bekommen wir diese Frage nicht differenziert beantwortet.
Insgesamt hat es Sebastian Kisters aber für meinen Geschmack verstanden, mit fundierten Arbeitsergebnissen herauszustellen, dass traditionelle Vereine wie Borussia Dortmund, Schalke 04, aber auch Klubs wie der VfL Bochum, MSV Duisburg oder Rot-Weiß Essen für einen Großteil der Menschen im Ruhrgebiet zu einem Stück ideeller Heimat geworden sind. Das Ruhrgebiet und der Sport haben in der Tat einen erstaunlichen Wandel durchlebt. Nicht vergessen werden sollte in diesem Zusammenhang, dass der Fußball für das Revier mittlerweile nicht nur ein Image- und Identitätsfaktor ist. Längst ist der Fußball in unserer Region auch ein sehr wichtiger Wirtschaftsfaktor geworden. Dass sich Tradition, Leidenschaft und kommerzielles Handeln nicht ausschließen müssen, dafür steht gerade Borussia Dortmund, mit mehr als 60.000 Zuschauern pro Heimspiel der meist besuchte Bundesligaklub. Woche für Woche zieht die Borussia und der Volkssport Fußball insgesamt Tausende von Menschen in den Bann. Vom "Kicken" auf den Bolzplätzen bis hin zum Gemeinschaftserlebnis im Stadion - unser faszinierender Sport verbindet die Menschen und schafft Kommunikation. Gerade im Revier. Sebastian Kisters hat nicht nur diesen Aspekt in ansprechender Weise dargestellt.
Abschließen möchte ich meinen kleinen Beitrag mit einer persönlichen Bemerkung: Im vorletzten Absatz seiner Arbeit führt Sebastian Kisters ein Zitat von mir aus dem Jahre 1998 an: "Wenn Lars Ricken mit zwei Schalker Spielern ins Fernsehstudio fliegt, wünscht er sich, dass der Flieger abstürzt. Den haben wir so erzogen." Diese Aussage, zu der ich mich in einem kleinen nichtöffentlichen Kreis tatsächlich habe hinreißen lassen, war flapsig gemeint und ist dennoch absolut unpassend gewesen. Ich habe mich für diese Aussage entschuldigt.
Autor: Michael Meier

Quelle: geographische revue, 3. Jahrgang, 2001, Heft 1, S. 57-58

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