Renate Kastorff-Viehmann (Hg.): Die grüne Stadt. Siedlungen, Parks, Wälder, Grünflächen 1860-1960 im Ruhrgebiet. Essen 1998. 239 S.

Den "Kohlenpott" in seiner Siedlungsstruktur durch Grün- und Erholungsflächen oder die "Rückgewinnung von Natur" zu verbessern, war das Ziel der Grünplanungen im Ruhrgebiet seit den 1970er Jahren - von den Revierparks über die regionalen Grünzüge bis hin zum Emscher-Landschaftspark der Internationalen Bauausstellung.
Dass es 1970 Grünplanung schon seit mindestens einem Jahrhundert in dieser Stadtlandschaft - wenn sie denn je eine "Stadt" war - gegeben hat, die einerseits "Urbanes" betont hat, andererseits verhindert hat, dass aus "Suburbanem" "Urbanes" hat werden können, zeigt dieses Buch auf.
Nach einem einleitenden kurzen Überblick über die Besiedlung des Ruhrgebietes folgen die beiden ersten weit gefassten Beiträge über die Bedeutung Robert Schmidts hinsichtlich der Zielsetzungen und Implementierung einer regionalen Grünflächenpolitik (Ursula von Petz) bzw. über die seit Mitte des 19. Jhs., d. h. schon seit Beginn der regionalen Industrialisierung realisierten Projekte kommunaler Grünplanung - die Stadtparks, die Stadtgärten, die Wälder (Renate Kastorff-Viehmann). Ansätze gesamtstädtischer Planung werden in diesen kommunalen Planungen sichtbar, Grünflächen werden allmählich zum (prestigeträchtigen) integrativen Bestandteil städtischer Planung. Hermann Josef Bausch widmet sich dann am Beispiel des Landkreises Dortmund der im Ruhrgebiet wichtigen Variante der Volksgärten, und zwar sowohl hinsichtlich ihres theoretisch-ideologischen Hintergrundes als auch hinsichtlich der Prozesse ihrer Realisierung. Als Gelsenkirchen-Buer noch die Stadt Buer war, wurde sie bekannt als die "Industriegroßstadt im Grünen". Auf- und Ausbau des Buerschen Grüngürtels stellt Stefan Goch ausführlich dar. Drei kleinere Beiträge über die Ruhr, den Landschaftswandel in Gelsenkirchen-Schalke und über das "Vaterland" in Dortmund-Hostedde beschließen den Band.
Ein für das Ruhrgebiet wichtiges und interessantes Thema wird in einem breiten Rahmen präsentiert. Hinzu kommt eine Fülle von Plänen und aussagekräftigen historischen Fotos. Mindestens diese hätten es jedoch verdient, dass das Buch auf besserem Papier gedruckt worden wäre.
Autor: Hans-Werner Wehling

Quelle: geographische revue, 3. Jahrgang, 2001, Heft 1, S. 69-70

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