Klaus Wolf und Claudia Maria Scholz: Bebauung 'Am Riedberg Frankfurt am Main'. Vorschlag zur funktionalen und sozialräumlichen Verknüpfung der geplanten Neubauten der Universität Frankfurt am Main und beabsichtigten Bebauung des 'Riedberg Geländes' durch die Stadt. Frankfurt am Main 1999 (Institut für Kulturgeographie, Stadt- und Regionalforschung der J.W. Goethe-Universität Frankfurt/M., Materialien 27). 199 S.

Die Studie dokumentiert die Ergebnisse eines Gutachtens, das von der Stadt Frankfurt und der J. W. Goethe-Universität an das Frankfurter Institut für Kulturgeographie, Stadt- und Regionalforschung in Auftrag gegeben worden ist. Die Expertise thematisiert die funktionale und sozialräumliche Verknüpfung von geplanten Neubauten der Universität mit der Bebauung des Riedberg-Geländes durch die Stadt. Bekanntlich sind in traditionsreichen Hochschulstädten über lange Zeiträume hinweg unverwechselbare bauliche und soziale Verbindungen mit ihrer Universität entstanden. Die meisten Hochschulen mit Campuslagen aus den 60er und 70er Jahren haben daran gemessen wenig Vergleichbares aufzuweisen. Nur bei einigen Neugründungen wie im Falle von 'Louvain-la-Neuve' in Belgien hat sich die Vernetzung mit anderen städtischen Funktionen günstig entwickeln können. Standortverlagerungen von Teileinheiten an die Peripherie, wie das Beispiel der TU München-Garching es veranschaulicht, führen ebenso zu zahlreichen, meist negativ empfundenen Auswirkungen, die weit in den privaten Alltag der betroffenen Hochschulangehörigen hineinreichen.
Die Arbeit untergliedert sich in zwei Kapitel. In einem kürzeren Hauptabschnitt werden Konzepte der Nutzungsmischung diskutiert und gleichzeitig in die unterschiedlichen Leitbilder der Stadt eingeordnet. Im zweiten Hauptteil der Untersuchungen werden die Komponenten im Verhältnis Universität-Stadt für die planerische Problemlösung 'Am Riedberg' ausführlich analysiert, bewertet und maßnahmenorientiert aufbereitet. In einem kurzen Überblick werden im internationalen Vergleich Lagebeziehungen von Hochschulen typisiert, um darauf aufbauend gesicherte Vergleiche und Aussagen für die Standortverflechtungen am 'Riedberg' treffen zu können. In eigenen Abschnitten kommen die Nutzungskombinationen zwischen Universitätseinrichtungen mit 'Wohnen', 'Arbeiten', 'Sich Versorgen' und 'Übriger Infrastruktur' zur Sprache. Die sozialräumlichen Zusammenhänge werden jedoch nur in einem Ausblick auf die Ansätze zur Bewertung 'vernetzter Strukturen' andiskutiert. Gestützt auf die Resultate verschiedener sozialwissenschaftlicher Erhebungen zur aktuellen Lebenssituation selbst, sollen Nutzungsmischungen im Städtebau lediglich als "Bedienungsrahmen" für individuelles Verhalten verstanden werden. Allein die Tatsache, daß eine wachsende Zahl unter den Studierenden in festen Partnerschaften lebt und zusätzliche soziale Verantwortung auf sich nimmt, führt zu neuen 'sozialen Netzwerken' und einer veränderten 'Verwendung von Zeit' in der Stadt. Über das eigentliche Studium hinaus entstehen dadurch sozialräumliche Interaktionen, die sich mit Nutzungskombinationen planerisch kaum beeinflussen lassen.
Im Resultat des Gutachtens, den Vorschlägen zur funktionalen und sozialräumlichen Gestaltung des Universitätsumfeldes 'Am Riedberg' erkennen Klaus Wolf und Claudia Maria Scholz die Bedeutung lebensweltlicher Zusammenhänge, die sich aus den Bedürfnissen der späteren Nutzer überschauen lassen. Sie verstehen ihr Konzept als 'evolutorische Idee' einer Weiterentwicklung in gemischten Nutzungen der gewachsenen Stadt, so wie sie das Leben ihrer Bewohner widerspiegelt. Aus dieser wechselseitigen Dynamik heraus formulieren sie konkrete Vorschläge zur Gestaltung des Umfeldes der Universität am Standort 'Riedberg' in Form einer 'Mischungsmatrix'. Mit einer Bewertungskala werden alle geplanten universitären Bauvorhaben nach ihren Vernetzungsmöglichkeiten mit anderen Funktionen (Wohnen, Arbeiten, Einzelhandel, Dienstleistungen etc.) eingestuft. Klar definierte Leitsätze bestimmen schließlich in sehr übersichtlicher Weise die künftige Situation 'Am Riedberg Frankfurt am Main'. In der skizzierten Ausarbeitung des Gutachtens überzeugt die Studie darüber hinaus durch das methodische Vorgehen. Für den politischen Abwägungsprozeß zwischen Verwaltung, Akteuren und Betroffenen werden im Dialog mit den Auftraggebern (Stadt und Universität) Leitlinien und Ziele formuliert, die einzelne Maßnahmen und Alternativen begründen. Offen bleiben jedoch die Wege der Umsetzung einzelner Projekte über partizipative Impulse, Lernprozesse oder interaktives Management zwischen den Beteiligten.
Die Frankfurter Untersuchung kann als Gutachten und mustergültige methodische Studie all jenen ausdrücklich zur Lektüre empfohlen werden, die sich in ein sehr überzeugendes Beispiel der anwendungsorientierten Stadtforschung einarbeiten wollen.
Autor: Franz Schaffer

Quelle: geographische revue, 3. Jahrgang, 2001, Heft 1, S. 80-81

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