Roman Stani-Fertl: Exonyme und Kartographie. Weltweites Register deutscher geographischer Namen, klassifiziert nach Gebräuchlichkeit, und ihrer ortsüblichen Entsprechungen. Wien 2001 (Wiener Schriften zur Geographie und Kartographie 14). 365 S.

Das Werk "Exonyme und Kartographie" stellt eine Handreichung für die Verwendung von Toponymen in fremdsprachiger (= exonymer) Namensform (hier des deutschen Sprachraums) versus den Eigennamen in der Amtssprache (Endonym) nicht nur in der Kartographie dar.
Der Autor ROMAN STANI-FERTL (geb. 1959) kennt die Problematik des Gebrauchs von Endonymen gegenüber Exonymen aus der eigenen Arbeit als Kartograph, Redakteur, Lektor und als Mitarbeiter in verschiedenen Kommissionen für Geographische Namen. Diese Monographie ist das Ergebnis des im April 2001 abgeschlossenen Forschungsprojektes "Register deutscher Exonyme mit einer Klassifikation nach ihrer Gebräuchlichkeit" am Institut für Geographie und Regionalforschung der Universität Wien.
Im etwa 30-seitigen Textteil mit Kartenbeispielen erläutert der Autor, in welchen Fällen die endonyme oder exonyme Form angebracht ist bzw. wann beide Formen benutzt werden sollen. Darüber hinaus bietet er allgemeine Regeln zur Übersetzbarkeit sowie Verwendung von Toponymen, die nicht in diesem Werk aufgeführt werden (mit positiven und negativen
Beispielen), und Hinweise zur Wiedergabe der eigensprachlichen Form in Publikationen.Der Schwerpunkt dieses Werkes liegt jedoch auf den Länderlisten: Rund 90 Lexika, Atlanten, geographische Publikationen, Internetseiten etc. wurden hinsichtlich ihrer Verwendung geographischer Namen ausgewertet und in über 6.800 Einträgen verarbeitet (Datenstand:
Oktober 2001). Die Begriffe werden alphabetisch im Länderalphabet aufgelistet, wobei Meeresteile und Großregionen am Ende aufgeführt werden. Dabei muss beachtet werden, dass Umlaute wie ihre Vokale sortiert werden (ö=o, Österreich folgt nach Oman). Jeder (Länder-) Eintrag enthält Hinweise auf die Sprache sowie Schrift und ggf. darüber hinausgehende Erläuterungen. Jedes Toponym ist versehen mit einem Hinweis auf die Gebräuchlichkeit (z. B. zu vermeiden, historisch, veraltet), mit seiner exonymen sowie endonymen Namensform, ggf. mit Verweisung, Variante und ältere Form, mit einer Gattungs-
sowie grammatikalischen Zuordnung, ggf. mit Anmerkung und schließlich mit einem Kürzel für die Region. Die rd. 11.000 Begriffe werden in einem Register mit einem Verweis auf den Haupteintrag bzw. auf das Regionskürzel nachgewiesen. In einer Erschließungstabelle werden die genormten Kürzel in ihrer vollständigen Form mit Seitenangabe aufgeführt. Besonders
viele Einträge werden bei Ländern mit engem historischen Bezug zum deutschen Sprachraum ausgewiesen, wie beispielsweise Polen, Tschechien, Russland.
Für alle, die geographische Begriffe verwenden, z. B. auch als Journalist oder Schulbuchredakteur, ist dies ein wichtiges Nachschlagewerk, um schnell die für ihre Zwecke nötige Namensform zu finden. Die eingehende Auseinandersetzung mit den Endonymen zeigte jedoch, daß vor allem bei der Transkription bzw. Transliteration nicht lateinischer Zeichensysteme weiterhin bei allen Normierungsinstitutionen von Toponymen Einigungsbedarf besteht, damit nicht unterschiedliche endonyme Schreibweisen nebeneinander existieren.    
Autorin: Sabine Richter

Quelle: Erdkunde, 57. Jahrgang, 2003, Heft 1, S. 75


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