Jörg Borghardt, Lutz Meltzer, Stefanie Roeder, Wolfgang Scholz und Anke Wüstenberg (Hg.): Reise-Räume. Touristische Entwicklung und räumliche Planung. Dortmund 2002 (Dortmunder Beiträge zur Raumplanung 109). 370 S.

Auf den Tourismus als vermeintlich krisenfesten Wachstumszweig der Dienstleistungsökonomie werden vielerorts große Hoffnungen gesetzt, gerade auch in Regionen mit Strukturproblemen wie in peripheren ländlichen Räumen oder in ehemaligen Industrieregionen wie dem Ruhrgebiet.

Vielfach unrealistische Erwartungen der politisch-administrativen Akteure treffen sich mit einer unzureichenden wissenschaftlichen Durchdringung von Seiten der Tourismus- und Planungswissenschaften.
Der vorliegende Sammelband, initiiert vom Dortmunder Arbeitskreis Raumplanung und Tourismus des dortigen Studiengangs Raumplanung, setzt hier an. In 28, teilweise sehr kurzen Beiträgen wird versucht, sich dem komplexen Schnittfeld Tourismus-Raumplanung zu nähern. Herausgekommen ist ein buntes Kaleidoskop von Themen, teils inhaltsschwer theoretisch, teils spezielle Problemstellungen analysierend, teils simpel berichtend über lokale Initiativen. In räumlicher Hinsicht bezieht sich der Band auf Europa mit einem Schwerpunkt auf Deutschland. Mehrere Beiträge sind allein dem Ruhrgebiet gewidmet. Einige Beiträge würde man in einer wissenschaftlichen Publikation kaum vermissen; als Kurzfassungen von Diplomarbeiten mögen sie allenfalls für Praktiker von Interesse sein. Es bleiben jedoch genügend Beiträge, die trotz (oder vielleicht auch gerade wegen) ihrer heterogenen Themenstellung in der Lage sind, das komplexe Verhältnis von Tourismus und Regionalentwicklung etwas tiefer auszuloten.
Eine besondere Beachtung verdienen die eher theoretisch orientierten Beiträge von G. HELD und J. BORGHARDT. Auf der Suche nach einer vertieften Durchdringung sowohl des Tourismus als auch der Raumentwicklung favorisieren sie einen gesellschaftswissenschaftlichen Ansatz, allerdings halten sie keines der bisher diskutierten Theoretisierungsangebote für befriedigend. G. HELD verweist darauf, dass sich im Tourismus zwei gegensätzliche Phänomene erkennen lassen: einerseits eine kompensatorisch-antiurbane, andererseits aber auch eine steigernd-metropolitane Strömung. J. BORGHARDT reflektiert in seinem Schlussbeitrag den Stand der Theoriebildung sowohl zum Tourismus als auch zum Raum; statt einer geschlossenen Theorie sieht er nur die Möglichkeit, vielfältige Ansätze aus unterschiedlichen Disziplinen aufzugreifen und sie auf ihre Tragfähigkeit hin abzuklopfen. Insgesamt gesehen bietet der empfehlenswerte Band sowohl informative Erfahrungsberichte wie auch weiterführende Gedankenanstöße zur Rolle des Tourismus in der Regionalentwicklung.    
Autor: Hans H. Blotevogel

Quelle: Erdkunde, 58. Jahrgang, 2004, Heft 1

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