Fouad N. Ibrahim and Barbara Ibrahim: Egypt. An economic geography. London 2003. 285 S.

Es ist erfreulich zu sehen, dass ansatzweise - und in hoffentlich steigendem Maße! - englische bzw. auf den englischsprachigen Markt ausgerichtete Verlage und Verleger sich der Expertise und Kompetenz einer nicht-anglophonen Fachwissenschaft versichern. Das hier angezeigte Buch ist ein solches Beispiel!

Im Gegensatz zu der 1996 in deutscher Sprache erschienenen und eher enzyklopädischen Landeskunde von Ägypten (vgl. dazu die Besprechung in ERDKUNDE 51, 272-273), legen FOUAD N. IBRAHIM und BARBARA IBRAHIM mit diesem Buch eine schwerpunktmäßig auf die wirtschaftlichen Entwicklungen und Gegenwartsprobleme des Landes am Nil ausgerichtete Wirtschaftsgeographie vor. Demzufolge liegen - anders als in dem als landeskundliche Übersicht konzipierten Vorgängerband - die Schwerpunkte der Darstellung auf der ökologischen Ressourcenbasis des Landes und den ökonomischen wie sozialen Konsequenzen eines schnellen Bevölkerungswachstums bei gleichzeitig begrenzten Entwicklungspotentialen. Ausgehend von einer politischen wie demographischen Zustandsbeschreibung Ägyptens zu Beginn des 21. Jh. werden besonders der Wasserfrage (S. 67-92), der Landwirtschaft (S. 114-156), dem Tourismussektor (S. 175-201)sowie den Urbanisierungsprozessen und -problemen (S. 202-246) besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Es liegt in der Natur einer wirtschaftsgeographischen Analyse, dass nicht alle Daten, Abbildungen und Diagramme in gleicher Weise aktuell und untereinander vergleichbar sein können. Wo immer möglich, reichen sie bis an die Jahrhundertwende; erfreulich und anregend ist die gute Ausstattung des Buches mit entsprechenden "facts and figures" allemal und auch dort, wo es sich um die (teilweise aktualisierte) Wiederaufnahme älterer Vorlagen handelt.
Insgesamt handelt es sich bei der Wirtschaftsgeographie Ägyptens von F. N. und B. IBRAHIM um eine lesenswerte und anregende Einführung in die Entwicklungsproblematik des Landes, das in der arabischen Welt eine Führungsrolle einnimmt, dessen Wirtschaft und Gesellschaft indes durch eine zunehmende Diskrepanz zwischen Bevölkerungswachstum und wirtschaftlicher Entwicklung, durch internationale Zahlungsbilanzdefizite, durch Arbeitslosigkeit und durch verschiedene Spielarten eines nationalen wie internationalen Terrorismus extrem verwundbar ist. Diese Sorgen klingen auch in dem nachdenklich stimmenden, allerdings sehr kurzen Schlusskapitel über die Zukunftsperspektiven des Landes an. Gern hätte man an dieser Stelle vielleicht noch mehr über die Stellung Ägyptens in der arabischen Welt erfahren und die Fragilität eines "rentier state", dessen Befindlichkeiten im Text nur sehr kurz auf den S. 110f. angesprochen wird. Des ungeachtet: Eine umfassend-informative Zusammenschau der Wirtschafts- und Gesellschaftsproblematik eines Kernraumes der arabischen Welt, der man - angesichts der besonders "prekären" Halbwertzeiten aktueller Entwicklungen - eine schnelle und weite Verbreitung wünschen möchte! Ob alle in dem begrüßenswert umfangreichen Schriftenverzeichnis (S. 255-279) genannten deutschsprachigen Titel das Interesse einer englischsprachigen Leserschaft beanspruchen werden und dürfen, mag man bezweifeln.    
Autor: Eckart Ehlers

Quelle: Erdkunde, 58. Jahrgang, 2004, Heft 1



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