Gerd R. Zimmermann: Indonesien. Eine geographische Landeskunde. Nackenheim/Rhein 2003.

25 Jahre nach dem Klett-Länderprofil Indonesien von Werner Röll (1979) erscheint nun, längst überfällig, diese neue geographische Länderkunde des nach Einwohnern viertgrössten Landes der Erde. Ziel der Arbeit ist es, über ein möglichst breites Themenspektrum, regional differenziert, möglichst viel Wissen zusammenzutragen und in einem Buch zu vereinen. Es ist dem Autor zu bescheinigen, dass ihm dieses ehrgeizige Unterfangen dank gründlicher Recherche und mit grossem Fleiss gelungen ist. Jedenfalls gibt es im Augenblick keine umfassendere und wohl auch keine bessere Landeskunde über dieses südostasiatische Land. Ganz besonders profitiert das Buch von der ausgeprägten Landeskenntnis des Autors. Dieser war seit 1969 nicht nur wiederholt als Forscher, sondern auch als Regionalplaner in verschiedenen Teilen des Archipels aktiv und hat fast alle Landesteile intensiv bereist.
Nicht alle Themen werden in gleicher Ausführlichkeit behandelt. So belässt es der Autor bei den physisch-geographischen Grundlagen (Klima, Relief, Böden, Vegetation) bei wenigen Seiten, was man bei der Fülle an vorhandener tropenökologischer Literatur akzeptieren kann. Sehr detailliert wird dagegen die Geschichte Indonesiens aufgearbeitet - angefangen von den mesolithischen Kulturen über die hindu-javanische Epoche, die Ausbreitung des Islam, die verschiedenen Phasen der niederländischen Kolonialzeit und der Unabhängigkeit bis hin zur "Asienkrise". Diese historische Aufarbeitung nimmt mit 220 Seiten etwa die Hälfte des Buches ein. Sie ist besonders hervorzuheben, weil der Autor eigene Positionen gegenüber den gängigen Lehrbuchmeinungen vertritt und diese gut begründet. Dies kommt beispielsweise in der Diskussion über die Wanderungstheorien der "Proto"- und "Deuteromalaien" zum Ausdruck, in der der Autor der herkömmlichen "Verdrängungstheorie" (aus den Tiefländern in die Gebirge) seine "Selektionsthese" (die Hochländer als bevorzugter Erstsiedlungsraum) in überzeugender Weise gegenüberstellt. Besonders viel Raum ist der "hochkolonialen Zeit" der Niederländer gewidmet und zwar getrennt nach dem Kernraum Java und den fünf Aussengebieten Sumatra, Kleine Sunda-Inseln, Borneo (Kalimantan), Celebes (Sulawesi) und Molukken/West-Neuguinea.
Die zweite Hälfte des Buches beschreibt die gegenwärtigen Strukturen Indonesiens, kapitelweise aufgeteilt in die Bereiche Politik und Sozialstruktur, Siedlungen, Wirtschaft, Verkehr und Kommunikation, Freizeit und Fremdenverkehr sowie Erziehung und Bildung. Auch hier kommt in der Bewertung der jeweiligen Strukturen die 35-jährige Landeserfahrung des Autors positiv zur Geltung. Der besondere Nutzen des Buches liegt zweifellos in seinem umfassenden Angebot an Informationen. Wer sich mit einem der erwähnten Themen näher beschäftigen möchte und dafür als Einstieg Hintergrundinformationen benötigt, wird hier bestens bedient - nicht zuletzt auch durch die zahlreichen Hinweise auf weiterführende Literatur und die neusten Tabellen im Anhang. Wohl aus Kostengründen verzichtet der Autor auf Fotos, was schade ist, ebenso auch auf Farbkarten. Dafür ist das Buch reichlich mit schwarzweissen Abbildungen, Grafiken und Karten illustriert. Mögen einige davon etwas amateurhaft wirken, so erfüllen sie doch ihren informationsvermittelnden Zweck voll und ganz. Alles in allem eine Fundgrube an landeskundlichen Informationen über ein Land, das allein schon wegen seiner Grösse und seines geopolitischen und wirtschaftlichen Gewichts unsere Beachtung verdient.
Autor: Ulrich Scholz

Quelle: Zeitschrift für Wirtschaftsgeographie Jg. 48 (2004) Heft 2, S. 141-142



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