Christian Hartwig Müller-Krug: Das Bauhaus und die Gestaltung mitteldeutscher Bergbaufolgelandschaften. Ein Beitrag zur Kunst- und Kulturlandschaftsforschung. Stuttgart 2002 (Mitteilungen der Geographischen Gesellschaft in Hamburg 93). 323 S.

Hinter dem Begriff der Kunst- und Kulturlandforschung verbirgt sich das, was der Autor als eine für die Geographie "etwas ungewohnte Verbindung von Geschichte und Arbeit einer bahnbrechenden Kunsthochschule mit den Umbrüchen, Veränderungen, Bedrohungen und Perspektiven, der sie umgebenden Kulturlandschaften" bezeichnet. In der Tat setzt sich Herr MÜLLER-KRUG mit den Bemühungen der UNESCO zum Schutz des Weltkulturerbes allgemein und mit dem Weltkulturerbe Bauhaus im Speziellen auseinander. Aufbauend auf einem Kapitel zur Geschichte der Bauhaus-Bewegung und der sie tragenden Akteure wird der Bogen zur Gegenwart nach der Wiedervereinigung, zur Aufnahme in die UNESCO-Liste und zur Verwaltung des Erbes gespannt. Im zweiten Teil wird wiederum ein historischer Ansatz zur Präsentation des räumlichen Umfeldes verfolgt. Sachsen-Anhalt und Thüringen, vor allem die Architektur- und Industriegeschichte Dessaus, Bitterfeld-Wolfens, das mittlerweile auch zum Weltkulturerbe erhobene Gebiet um die Wörlitzer Gärten, werden bau- und wirtschaftsgeschichtlich vorgestellt bis hin zu planerischen Ansätzen im Umgang mit Bergbaufolgelandschaften. Der dritte Teil eruiert das Entwicklungspotential für Sachsen-Anhalt und Thüringen durch den Einbezug als Korrespondenzregion in die EXPO 2000. Abschließend folgt ein viertes Kapitel, in dem die Ergebnisse der empirischen Untersuchungen zum Tourismus hinsichtlich der Attraktivität und Nutzung des Kultur- und Industrieerbes dargelegt werden.
Eine auf den ersten Blick ungewöhnliche Zusammenstellung führt das Anliegen des Autors zusammen, die Kunst- und Kulturlandschaftsforschung (wieder) zu beleben. Herausgekommen ist dabei eine überaus detailreiche und mit aufschlussreichen Illustrationen ausgestattete Arbeit, deren einzelne Kapitel konzeptionell und methodisch etwas locker miteinander verbunden scheinen, die jedoch unter dem vermarktungswirksamen "label" des Bauhauses Aufschlüsse über eine Region bietet, die den Umgang mit ihren kultur- und
industriehistorischen Denkmälern weiterhin ausloten wird und nutzbar zu machen versucht. Zur Unterstützung eines solchen Anliegens liefert die Dissertation von Herrn MÜLLER-KRUG materialreiche Unterfütterung.
Autor: Hermann Kreutzmann

Quelle: Erdkunde, 58. Jahrgang, 2004, Heft 3

Kommentar schreiben