Howard Dick: Surabaya - city of work. A socioeconomic history, 1900 - 2000. Athens, Ohio 2002. (Ohio University Center for International Studies, Southeast Asia Series No. 116). 489 S.

Surabaya ist mit rd. 3 Mio. Einwohnern die zweitgrößte Stadt Indonesiens, dennoch im Vergleich zur Hauptstadt Jakarta (ca. 10 Mio. Einwohner) außerhalb Indonesiens wenig bekannt. Allerdings war Surabaya um 1900, zum Höhepunkt der holländischen Kolonialherrschaft, nicht nur größer als Batavia (Jakarta), sondern aufgrund seines guten Naturhafens und des reichen Hinterlandes auch das bedeutendste Handelszentrum "Niederländisch Indiens".

Das vorliegende Buch beschäftigt sich mit der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung dieser Stadt während der vergangenen 100 Jahre, von der Blütezeit nach der Jahrhundertwende über den wirtschaftlichen Zusammenbruch in den dreissiger Jahren, der japanischen Besatzungszeit während des 2. Weltkriegs, der Stagnation nach der Unabhängigkeit (als Surabaya von Jakarta überholt wurde), bis zur jüngst wieder erstarkenden Wirtschaftskraft durch Industrieansiedlungen. Das Buch ist nicht nach Perioden, sondern nach Themen unterteilt, wobei die ersten drei Kapitel unter den Überschriften "Aspekte", "Episoden" und "Profile" sich vorrangig mit den Strukturmerkmalen der Stadt beschäftigen, während in den Kapiteln 4 - 7 (Regierung, Industrie, Grund und Boden, Handel) die wichtigsten Wandlungsprozesse mit den dahinter stehenden Akteuren während der verschiedenen Phasen untersucht werden. Bemerkenswert ist die hervorragende Ortskenntnis des Autors, basierend auf fast 30 Jahren persönlicher Erfahrungen. Er kennt sozusagen jeden Winkel, und man merkt ihm die Sympathie für diese Stadt an, die sonst keiner so richtig lieben mag. Immer wieder sind Episoden, Anekdoten und eigene Erlebnisse eingestreut, die das Buch lebendig machen, ohne an wissenschaftlicher Seriosität einzubüßen. Dank akribischer Recherche in holländischen Archiven kann das Buch mit einer Fülle bislang unbekannter Details aufwarten, was die Arbeit speziell für Indonesienkenner höchst lesenswert macht, Landesunkundige aber gelegentlich überfordern könnte. Einige Abstriche muß man bei den Abbildungen machen. Die Fotos sind zwar gut gewählt, jedoch reproduktionstechnisch eher dürftig. Fast schon armselig sind die wenigen kartographischen Darstellungen, einen Stadtplan gibt es gar nicht. Schade, bei einem sonst so lesenswerten und mit so viel Mühe erstellten Buch!
Autor: Ulrich Scholz

Quelle: Zeitschrift für Wirtschaftsgeographie Jg. 48 (2004) Heft3/4, S. 272

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