Rolf Keibich und Udo E. Simonis (Hg.): Global Change - Globaler Wandel: Ursachenkomplexe und Lösungsansätze - Causal structures and indicative solutions. Berlin 2000. 307 S.

Der Global Change Diskurs wird seit vielen Jahren in der wissenschaftlichen Forschung, bei politischen Entscheidungsträgern und in den öffentlichen Medien intensiv geführt.
Intensive Messkampagnen und Studien - besonders zum Klimawandel - liegen vor, etliche internationale Absichtserklärungen sind vereinbart und die Öffentlichkeit ist sensibilisiert. Trotzdem fällt es vielen Beteiligten schwer, die Probleme und daraus resultierende mögliche Konsequenzen nicht nur zu nennen und zu beschreiben, sondern auch aktiv zu bearbeiten, Beschlüsse zu fassen und diese dann auch umzusetzen. Dieser grundlegenden Problematik hat sich die Vereinigung Deutscher Wissenschaftler e.V. (VDW) in ihrer Jahrestagung vom 28.-30.10.1999 in Berlin mit dem Rahmenthema Global Change - Globaler Wandel - Ursachenkomplexe und Lösungsvorschläge gestellt. Der VDW hat sich als Credo dem Leitthema "Wissenschaft in der Verantwortung - Verantwortung in der Wissenschaft" gesetzt. Eine zentrale, in der Satzung verankerte Aufgabe ist hierbei, sich mit jenen Problemen und Folgen auseinander zu setzen, "... die sich aus der fortschreitenden Entwicklung von Wissenschaft und Technik für die Menschheit ergeben ..." (KREIBICH u. SIMONIS, S. 7). Somit ist die Bearbeitung des gestellten Rahmenthemas nur folgerichtig. Namhafte Vertreter der unterschiedlichsten natur- und geisteswissenschaftlichen Disziplinen positionieren in diesem Buch die jeweiligen Standpunkte unter Berücksichtigung der neuesten nationalen und internationalen Tendenzen und Überlegungen.
Der vorgestellte Tagungsband erschien in der Schriftenreihe Wissenschaft in der Verantwortung im Berlin Verlag und beinhaltet auf 307 Seiten insgesamt 19 Beiträge. Diese Beiträge sind nach einem einführenden Beitrag in die drei Blöcke URSACHENKOMPLEXE - TRIEBKRÄFTE DES GLOBALEN WANDELS (7 Beiträge mit 128 S.), LÖSUNGSANSÄTZE - POLITIKFORMULIERUNG UND -IMPLEMENTIERUNG (9 Beiträge auf 128 S.) und GLOBALER WANDEL - GLOBALE WISSENSCHAFT (2 Beiträge mit 32 S.) gegliedert. Im Folgenden wird der Inhalt jedes Beitrages kurz zusammengefasst und am Ende gemeinsam gewertet.
Im ersten Beitrag gibt UDO SIMONIS (Professor für Umweltpolitik am Wissenschaftszentrum Berlin) einen Rückblick auf die VDW-Jahrestagung 1999. Als Hauptthemen werden die Bereiche Globale Umweltprobleme, Bevölkerungswachstum, Wirtschaftswachstum, Technologieentwicklung, Erdsystemanalyse, Global Governance, Sektorale Umweltpolitiken (Bsp. Klimapolitik/Biodiversitätspolitik) und Zukunft der Entwicklungszusammenarbeit identifiziert.
Der erste Block URSACHENKOMPLEXE - TRIEBKRÄFTE DES GLOBALEN WANDELS wird von HELMUT GRAßL (Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie und Professor für Allgemeine Meteorologie an der Universität Hamburg) durch eine Bestandsaufnahme und qualitative Einschätzung globaler und allgegenwärtigen Umweltprobleme eingeleitet. Er charakterisiert globale Umweltprobleme in zwei Kategorien: Wahre Globalität mit dem allgemeinen Themenbereich Langlebige Beimengungen in Luft und Wasser und Globalität durch Häufigkeit mit den zentralen Themen Kurzlebige Beimengungen in Luft und Wasser und Landnutzungsänderungen. Er stellt fest, dass nur geringe Aufwendungen in Forschung und Entwicklung fließen, erläutert ausführlich die vier global koordinierten Forschungsprogramme (IGBP, WCRP, DIVERSITAS, IHDP) zum Globalen Wandel und schließt mit einer Wunschliste für zukünftige Aktivitäten. Der dritte Beitrag von MARTIN JÄNICKE (Professor für Politische Wissenschaft und Leiter der Forschungsstelle für Umweltpolitik an der freien Universität Berlin) setzt sich mit Profilen globaler Umweltveränderungen aus einer sozialwissenschaftlichen Sicht auseinander. Nach der Nennung der Kernprobleme des globalen Wandels geht er auf die zentralen Themen der sozialwissenschaftlichen Umweltpolitikforschung Problemwahrnehmung, Problemverursachung und Lösungsoptionen kurz ein. Er typisiert globale Umweltveränderungen in die drei Veränderungsmuster lineare Verschlechterung (z.B. Flächenverbrauch, Bodendegradation, Treibhauseffekt), zyklische Veränderungen (z.B. klassische Luftschadstoffe, Abfallbeseitigung, industrieller Wasserverbrauch) und Wiederanstieg (z.B. verkehrsbedingte Umweltveränderung, industrieller Mehrverbrauch). Er konstatiert, dass obige sozial-strukturelle Analysen größere Anstrengungen als bisher erfordern. RICHARD ELLIOT BENEDICK (Stellvertretender Direktor der Umwelt- und Gesundheitswissenschaften im Battle Memorial Institute, Washington DC) gibt in seinem Beitrag Uncharted territory - environment and population beyond six Billion einen Überblick über die frühere, aktuelle und prognostizierte Bevölkerungsentwicklung. Er beleuchtet diese Entwicklung vor dem Hintergrund der Entwaldung in den Industrieländern, der Wasserproblematik und der globalen Klimaänderung. Die aus der 1994 in Kairo stattgefundenen International Conference on Population and Development (ICPD) definierten Ziele werden erläutert und in Bezug zu aktuellen Tendenzen gestellt. Abschließend betont er, dass große Unsicherheiten in der zukünftigen Entwicklung liegen und dass heutige Entscheidungen immense zukünftige Auswirkungen in der Bevölkerungsdynamik haben werden. RALF ULRICH (Geschäftsführer der Eridion GmbH) greift auch das Thema Globale Bevölkerungsdynamik auf und zeigt Möglichkeiten der Einflussnahme. Nach der Darstellung der aktuellen Dimensionen des globalen Bevölkerungswachstums geht er auf das Ungleichgewicht von Fruchtbarkeit und Sterblichkeit sowie auf die demographische Transition in Entwicklungsländern ein. Der Fruchtbarkeitsrückgang und Kinderwunsch wird zusammenhängend erläutert und Aussagen zur Kontrazeption und dem Rückgang der Kinderzahlen getroffen. In einem weiteren Kapitel geht ULRICH auf die demographischen Auswirkungen der AIDS-Pandemie ein und stellt die Ziele von der bereits genannten Kairo-Konferenz heraus. Abschließend stellt er die Gebermüdigkeit vieler Industriestaaten, u.a. auch der Bundesrepublik Deutschland, zum Weltbevölkerungsfonds und zur International Planned Paarenthood Federation fest - eine unverständliche Haltung angesichts der globalen Bevölkerungsentwicklungen. Der Beitrag von PETER BARTELMUS (Direktor der Abteilung Stoffströme und Strukturwandel am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie) über Economic Growth, Wealth and Sustainable Development beleuchtet verschiedene Kategorien der Nachhaltigkeit hinsichtlich der Limitationen und Limits. Er stellt sich der Frage, wo die Limits liegen und ob ein Wachstum nachhaltig sein kann. Politische Handlungsoptionen liegen hierbei in der Ignoranz, Ausweitung und Auseinandersetzung dieser Limitationen. Abschließend beurteilt er die Global Governance als eine wegweisende, lösungsorientierte Richtung. JOSEPH HUBER (Professor für Wirtschafts- und Umweltsoziologie an der Martin-Luther-Universität Halle an der Saale) ergänzt in seinem Beitrag Industrielle Ökologie: Über Konsistenz, Effizienz und Suffizienz "... den Ansatz der Öko-Effizienz um den bisher vernachlässigten Aspekt einer notwendigen ökologischen Konsistenz des industriellen Metabolismus ..." (HUBER, S. 107). Nach der Erläuterung der erdpolitischen Strategien im Kontext der Nachhaltigkeitsdebatte geht er auf die Konsistenz als eine metabolisch naturintegrierte Industrielle Ökologie ein. Die Konsistenz und Effizienz wird in einer zyklusanalytischen Betrachtung erläutert und der Stellenwert der Suffizienz, Effizienz und Konsistenz für eine Industrielle Ökologie dargelegt. In seinem Fazit stellt er eine klare systematische Priorität der Konsistenz vor Effizienz vor Suffizienz fest. Der letzte Beitrag in dem ersten Block von ORTWIN RENN (Professor für Umwelt- und Techniksoziologie an der Universität Stuttgart) zur Technikentwicklung - Technikbewertung: "Harte" oder "Weiche" Lösungen betont, dass die Menschheit mehr denn je auf Technik angewiesen ist, gleichzeitig aber auch durch die Auswirkungen der Technik auf die Umwelt, Sicherheit und Sozialleben bedroht ist. Die zentrale These lautet: "... Die notwendige gesellschaftliche Bewertung von Technik bleibt auch bei der Anwendung der bestmöglichen Methodik ein unvollständiges Instrument der Zukunftsvorsorge, da Ambivalenz und Ungewissheit als unauflösliche Merkmale der Zukunft bestehen bleiben. ..." (RENN, S. 127). Die beiden zentralen Begriffe der Ambivalenz und Ungewissheit werden von ihm detailliert erläutert. Weiterhin hebt er hervor, dass der Diskurs elementar wichtig ist, sei es in
der Kommunikationsform eines Wissensdiskurses, eines Reflexions- oder Abwägungsdiskurs oder eines Gestaltungsdiskurses. Er fasst zusammen, dass bei der Diskussion der Technikfolgen "... überwiegend diskursive Verfahren zum Zuge kommen, bei denen Wissenschaftler, Hersteller, Nutzer und andere Betroffene gemeinsam die Aufgabe der Bewertung von möglichen Technikfolgen auf sich nehmen und zur Auswahl der von ihnen präferierten Technikentwicklung beitragen." (RENN, S. 138).
Der zweite Block beschäftigt sich mit LÖSUNGSANSÄTZE - POLITIKFORMULIERUNG UND -IMPLEMENTIERUNG. Der einleitende Beitrag von HANS-JOACHIM SCHELLNHUBER (Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und Professor für Theoretische Physik an der Universität Potsdam) über die Erdsystemanalyse - Geokybernetische Opti-onen befasst sich mit dem Zustand des Erdsystems, dem globalen Umwelt- und Entwicklungsmanagement und den Grundlagen und den Zielen und Strategien der Geokybernetik. Er charakterisiert die Geokybernetik als eine Lenkungsstrategie des globalen Erdsystems durch eine gekoppelte Abstraktion von Naturverhältnisse und sozialen Handlungsmustern. Die Ziele "... orientieren sich allesamt am Leitbild der ‚nachhaltigen Entwicklung' (sustainable development) ..." (SCHELLNHUBER, S. 151). Der Folgebeitrag von VERENA WINIWARTER (Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institut für Anthropologie der Universität Wien) setzt sich kritisch mit der Geokybernetik aus sozialökologischer Sicht auseinander. Sie bezweifelt, dass die Geokybernetik der Weg aus der Krise des Mensch-Natur-Verhältnisses ist und befürchtet, dass eine "Gesamtsteuerung" der Erde furchtbare Folgen haben könnte. Näher erläutert wird die Rolle von Experten in der globalisierten Wissenschaft, die Interaktion von Gesellschaft und Natur und sie gibt eine außerirdische Perspektive über den Planeten Erde. In dem abschließenden Kapitel über die Geokybernetik, die Kolonisierung und das Risiko kommt sie unter Zuhilfenahme der Erfahrungen aus dem Biospäre II-Projekt in der Wüste Arizonas zu dem Schluss, dass eine Umsetzung der Geokybernetik große, oftmals unvorhersehbare Schwierigkeiten beherbergt und weitreichende machtpolitische Konsequenzen haben kann - denn wer bestimmt die Steuerung des globalen Ökosystems? Sie konstatiert, dass "... die Grenze der Machbarkeit der totalen Kolonisierung von Natur ... in der Gesellschaft ..." liegt (WINIWARTER, S. 166) und bevorzugt eine verstärkte präventive Arbeit am globalen Problem. Der Beitrag von DIRK MESSNER (Geschäftsführer des Instituts für Entwicklung und Frieden (INEF) an der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg) und FRANZ NUSCHELER (Direktor des Instituts für Entwicklung und Frieden (INEF) und Professor für Internationale Politik an der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg) über Politik in der Global Governance-Architektur beleuchtet die Epoche der Nationalstaaten, die Dynamik und die neue Qualität der Globalisierung, die Global Governance-Perspektive und gibt einen Ausblick über die Zukunft der Nationalstaaten. Die Autoren gehen auf das Demokratieproblem in der Global Governance-Architektur ein, erläutern die Weichenstellung der Europäischen Union und stellen eine tief greifende Transformation der Politik in Aussicht, die auch Weichenstellungen in der Weltpolitik bewirkt. Sie konstatieren, dass sich in der "Epoche des Globalismus" neue Referenzpunkte für die Politik herausbilden, die sich an den folgenden zentralen Leitprinzipien orientieren: a) Es gibt keine einzelstaatliche Antwort auf die Globalisierung. b) Die Nationalstaaten werden zu "Provinzen" mit der Weltgesellschaft als gemeinsamer Bezugspunkt. c) Die Vielfalt der Kulturen, lokale und nationale Milieus und Besonderheiten gewinnen in der globalisierten Welt an Bedeutung und d) der Verzicht von einzelnen Nationalstaaten an der Teilnahme der Globalisierung wird immer öfter in einer politischen Handlungsunfähigkeit enden. Der folgende Beitrag von FRANK BIERMANN (Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK)) wendet sich dem Stand und Fortentwicklung der internationalen Klimapolitik zu. Die Zukunft der internationalen Klimapolitik wird erläutert und in Bezug zur Nord-Süd-Frage gesetzt. Im Kapitel über flexible Mechanismen der Klimapolitik wird speziell auf die gemeinschaftliche Umsetzung von Reduktionspflichten und den zwischen-staatlichen Handel mit Reduktionspflicht (Emissionshandel) eingegangen. Abschließend wird auf die Rolle der Wissenschaft beim "Zwischenstaatlichen Ausschuss über Klimaänderungen" IPCC und bei der stärkeren Integration des Südens in den IPCC hingewiesen. KARL PETER HASENKAMP (Initiator und Vorsitzender des PRIMA KLIMA-Vereins in Düsseldorf) stellt den nach seiner Ansicht nach herausragenden Platz des Themenkomplexes Wald - Energie - Klima dar. Die Bedeutung des Waldes als Verbraucher von Kohlendioxid und Speicher des gebundenen Kohlenstoffs wird eingehend erläutert und in Bezug zu damit zusammenhängenden Kosten gesetzt. Dem Stand und Fortentwicklung der internationalen Biodiversitätspolitik widmet sich JESSICA SUPLIE (Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK)). Nach der Hintergrundinformation zur Biodiversität als umfassendes Konzept wird dezidiert auf die Besonderheiten und Herausforderungen der Biodiversitätspolitik eingegangen. In einem abschließenden Kapitel wird auf die Schwerpunkte der Umsetzung eingegangen. Sie stellt fest, dass die Besonderheiten der Biodiversität als Politikfeld eine umfassende Strategie erfordern, die vor allem bei der Umsetzung eine Flexibilität, Verantwortung und Kompetenz erfordern. Den gleichen Themenbereich bearbeitet CHRISTINE VON WEIZÄCKER (Vizepräsidentin Ecoropa) in ihrem Beitrag Warum ist das Biosafety-Protokoll so wichtig? Nach einer Erläuterung des Biosafety-Protokolls werden die Streitpunkte ausführlich dargelegt. Die Rolle des GATT (General Agreement on Tarifs and Trade) und der Welthandelsorganisation (World Trade Organisation WTO) werden hinsichtlich des Biosafety erläutert und es wird in Frage gestellt, ob die von der EU zu hörende Behauptung, zwischen der WTO, der Biodiversitätskonvention und dem Biosafety-Protokoll herrsche Harmonie, nicht sehr naiv sei. Denn es stellt sich die Frage, wer worüber entscheidet, was die Chance und was der Schaden für wen darstellt. Auf dieser Basis stellt sie Plädoyers für Haftung und Versicherung, für neue Diskussionsforen, für sozio-ökonomische Technikfolgenabschätzung und für die Anwendung des Vorsorgeprinzips auf. JOACHIM VON BRAUN (Direktor und Leiter der Abteilung für wirtschaftlichen und technologischen Wandel am Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) in Bonn) widmet sich mit zwei Koautoren dem Thema Zukunft für Entwicklungszusammenarbeit. Vor dem Hintergrund des Bedeutungsverlusts "klassischer" Entwicklungszusammenarbeit (EZ) wird gefordert, die EZ neu zu definieren und auf öffentliche Güter, auf die Stärkung und Schaffung von Institutionen und auf technologische und soziale Innovationen zu konzentrieren. Die Themenschwerpunkte zukünftiger EZ sehen die Autoren in good governance und Rechtssicherheit (besonders in Entwicklungsländern), internationalen Umwelt- und Sozialstandards, Informations- und Kommunikationstechnologien, Partizipation und Bildung von Sozialkapital und Lösung und Prävention von Krisen und Konflikten. Der letzte Beitrag des zweiten Blocks von CLAUDIA VON BRAUNMÜHL (Freie entwicklungspolitische Gutachterin und Honorarprofessorin für Internationale Politik am Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften der Freien Universität Berlin) beschäftigt sich mit der Ortsbestimmung von Entwicklungspolitik und Entwicklungszusammenarbeit. Auf der Basis der Installierung von Entwicklungspolitik und EZ stellt sie die Bedeutung der EZ als Reformpolitik heraus. Sie beschreibt die Strukturanpassung der 80er Jahre und der folgenden Krise der Entwicklungspolitik und nachhaltigen Entwicklung. Vor dem Hintergrund der Globalisierung, Global Governance und globalen Strukturpolitik wird die Bedeutung der (Neu-)Begründung von Entwicklungszusammenarbeit erläutert und in den Zusammenhang mit der Armutsbekämpfung gestellt.
Der dritte Block GLOBALER WANDEL - GLOBALE WISSENSCHAFT wird von KLAUS-HEINRICH STANDKE (Präsident der Internationalen Akademie Schloss Baruth und Sonderberater des Generaldirektors der UNESCO) mit seinem Beitrag Zur Rolle der Wissenschaft in der globalen Verantwortung eingeleitet. Der Rückgang der Ausgaben für Wissenschaft und Forschung in den Transformations- und Entwicklungsländern wird dargestellt und es werden drei Versuche, die Wissenschaft und Technologie auf globale politische Agenda zu bringen, erläutert. Er stellt das Fehlen einer Nord-Süd- und einer Ost-West-Plattform für Wissenschaft und Technologie heraus und konstatiert die unzureichende Einbeziehung von Wissenschaftlern in den Nord-Süd-Dialog. Der letzte Beitrag von EDGAR GÖLL (Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) in Berlin) gibt eine Perspektive zum Global Change - Good Science Handlungsmöglichkeiten für die Wissenschaft. Auf der Zusammenfassung der Kernprobleme und Triebkräfte des Globalen Wandels werden die neuen Herausforderungen erläutert und Umsetzungsstrategien vorgeschlagen. Als eine dringliche Perspektive sieht er "... die Entwicklung und Ausarbeitung von Konzepten, die sowohl wesentliche Strukturelemente, Triebkräfte und Wirkungsbereiche der Realität "abbilden", als auch inter-disziplinär integrieren (insbesondere Natur- und Gesellschaftswissenschaften) und darauf basierende Lösungsmöglichkeiten, Gestaltungsoptionen, Anreizsysteme und alternative Verhaltensweisen aufzeigen." (GÖLL, S. 299).
Obwohl die Beiträge sehr unterschiedlich gewichtet und gestaltet sind, geben sie doch einen hoch interessanten Überblick über die Problematik des Globalen Wandels. Naturgemäß können die Beiträge nur einen Teil der Global Change- Problematik beleuchten. Auch hat sich seit der Tagung 1999 sehr viel verändert und weiterentwickelt. Trotzdem erhält der Leser kompakt und fundiert globale und deutsche Perspektiven zur Global Change-Debatte dargelegt. Es lässt sich eindeutig konstatieren, dass die Beiträge des Tagungsbandes ein gutes Basiswissen zum Rahmenthema liefern, viele wichtige Hintergrundinformationen geben und nach wie vor hochaktuell sind. Deshalb kann dieser Tagungsband jedem Interessierten nur nachdrücklich zur Lektüre empfohlen werden.
Autor: Thomas Glade

Quelle: Erdkunde, 59. Jahrgang, 2005, Heft 1, S. 74-76




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