Silke Kremer: Verkehrsreduzierung durch Speditionskooperationen und Vernetzungsstrategien. Raumbezug und Folgewirkungen. Aachen 2000 (Aachener Geographische Arbeiten 34). 242 S.

Die internationale Liberalisierung des Güterverkehrs, technische Innovationen des Warenumschlags und der Informationstechnologie sowie die anhaltende Desintegration von industriellen Wertschöpfungsketten haben nicht nur die Nachfrage nach logistischen Dienstleistungen drastisch erhöht, sondern auch neue räumliche Muster des Güterverkehrs erzeugt. Durch die Einbettung der Warentransporte in ein breites Spektrum vor- und nachgelagerter sowie begleitender Dienstleistungen entstehen logistische Dienstleistungssysteme, die mit ihrer äußerst dynamischen Entwicklung nicht nur die beteiligten Logistikunternehmen, sondern auch die Standortpolitik der involvierten Gemeinden und Regionen vor neue, sich rasch wandelnde Anforderungen stellen.

Der deutsche Logistikmarkt wird - abgesehen von Post und Bahn - traditionell von klein- und mittelbetrieblichen Speditionsunternehmen bestimmt. Auf die Veränderung der Marktbedingungen in den neunziger Jahren reagierten sie vermehrt durch die Bildung von flächendeckenden Kooperationen. Diese stehen im Mittelpunkt der vorliegenden Dissertation. In den ersten Kapiteln werden verhältnismäßig ausführlich definitorische Fragen, allgemeine Aspekte des Verhältnisses von Raum, Zeit und Güterverkehr sowie Tendenzen der Marktentwicklung im Transportsektor behandelt. Untersucht werden anschließend Zielsetzungen und Formen von Speditionskooperationen, Merkmale der zum Zeitpunkt der empirischen Untersuchung (ca. 1998) bestehenden Kooperationen, von den Kooperationen betriebene räumlichen Verkehrssysteme, speziell die Hub-and-spoke-Systeme, sowie die räumliche Verteilung von Umschlagterminals in Deutschland und besonders deren Konzentration im nordhessischen Raum um Bad Hersfeld. Überlegungen zu den regionalen Auswirkungen sowie Hinweise für die Wirtschaftsförderung beschließen die Publikation.
Die Stärke der Arbeit liegt in der Verknüpfung von betrieblicher und räumlicher Perspektive. Darin unterscheidet sie sich positiv sowohl von vielen betriebswirtschaftlichen Arbeiten zur Logistik, aber auch von vielen verkehrsgeographischen und planerischen Arbeiten. Deutlich wird beispielsweise, weshalb die politisch angestrebten multimodalen Güterverkehrszentren den betrieblichen Anforderungen der Speditionsunternehmen nur unzureichend gerecht werden. Eine Antwort auf die im Titel gestellte Frage nach der Verkehrsreduzierung wird allerdings nur bedingt erreicht. Nicht deutlich getrennt wird zwischen dem politischen Ziel einer Verkehrsreduzierung und dem unternehmerischen Ziel der Kostensenkung. Zwar können durch Hub-and-spoke-Systeme Verkehre und Kosten gespart werden, doch liegen die entscheidenden Potenziale zur Verkehrsvermeidung auf einer ganz anderen Ebene, nämlich bei den allgemeinen politischen Rahmenbedingungen wie Mineralölsteuer sowie der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit der Bahn. Schließlich ist auch darauf hinzuweisen, dass die Arbeit nur eine Momentaufnahme in einem sich rasch wandelnden Markt liefert. Inzwischen ist durch die Internationalisierung der Logistikmärkte und das Aufkommen großer transnationaler Logistikanbieter eine neue Situation entstanden, die für die nationalen Speditionskooperationen eine Bewährungsprobe darstellt. Die vorliegede Arbeit unterstreicht die Bedeutung der Logistik als interessantes und wichtiges Untersuchungsgebiet der Wirtschafts- und Verkehrsgeographie. Gerade in der Ergänzung zur Betriebswirtschaftslehre der Logistik eröffnet sich ein weites Feld für wirtschafts- und verkehrsgeographische Untersuchungen, die sowohl für die Standortplanung der Unternehmen als auch für die Raumplanung und Wirtschaftsförderung wichtige Ergebnisse liefern können.
Autor: Hans H. Blotevogel

Quelle: Zeitschrift für Wirtschaftsgeographie Jg. 49 (2005) Heft 1, S. 62

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