Christian-Titus Klaiber: Unternehmensgründungen in Mexiko - auf der Suche nach Erfolgsfaktoren für deutsche Unternehmer. Frankfurt am Main 2005. 522 S.

Bei der vorliegenden Publikation handelt es sich um die veröffentlichte Diss. des Autors, die an der Universität St. Gallen im Fach Betriebswirtschaftslehre verfasst wurde. Während der Einleitungsteil die praktische Relevanz des Themas aufzeigt und definitorische Grundlagen legt, ist es das Ziel des theoretischen Teils, Mexiko "im Profil" darzustellen und Einflussgruppen der mexikanischen Unternehmensumwelt zu diskutieren.

In bemerkenswerter Fleißarbeit hat der Autor im allgemeinen Landesteil vielfältige Informationen über Mexiko zusammengetragen und gibt einen geschichtlichen Überblick seit der Frühgeschichte Mexikos (vor Christus). Die Deskription des "Wirtschaftsprofils" Mexikos widmet sich der Bedeutung der verschiedenen Wirtschaftssektoren (primärer, sekundärer und tertiärer Sektor) und skizziert die Handelsbeziehungen des Landes, wobei ein besonderes Augenmerk auf die deutsch-mexikanischen Wirtschaftsbeziehungen gelegt wird. Das Kapitel "Technologieprofil" umfasst die Bereiche Energie, Verkehr (Straße, Eisenbahn, Schifffahrt und Flugverkehr) sowie Informations- und Kommunikationstechnologien. Mit gleichwertigem Engagement werden im anschließenden allgemeinen Businessteil Informationen zu sieben Einflussgruppen zusammengetragen, welche der Verfasser ausgewählt hat: Staat, Mitarbeitende, Gewerkschaften, Finanzinstitutionen, Kunden, Wettbewerber und Lieferanten. Der folgende, "besondere Businessteil" konzentriert sich auf die Bereiche Wissen, Eigenschaften, Leben, Kontakte, Analysen und Management (so genanntes WELKAM-Rahmenmodell), welche der Verfasser aufgrund seiner Literaturrecherche als besonders relevant für Unternehmer bei der Unternehmensgründung in Mexiko erachtet.
Schließlich werden im praktischen Teil die Ergebnisse von 30 Experteninterviews präsentiert, die in einem nicht genannten Zeitraum in zwei nicht näher beschriebenen Regionen in Mexiko durchgeführt wurden (Mexiko-Stadt, Querétaro). Der Beschreibung des Untersuchungsdesigns widmet der Autor drei Seiten, wobei sich drei Zeilen (21 Wörter) im Text auf die Durchführung der Datenerhebung beziehen. Die Befragung deutscher Experten informiert über deren persönliche Gründungs- bzw. Selbständigkeitserfahrung in Mexiko. Als Ergebnis der durchaus lesenswerten Gesprächsprotokolle leitet der Autor elf Erfolgsfaktoren ab, die definiert werden als "der erfolgreiche Umgang mit Herausforderungen bei Unternehmensgründungen deutscher Unternehmer in Mexiko" (408), gleichzeitig jedoch nur (zu) kurz diskutiert werden. So kann man beispielsweise die Schlussfolgerung, dass die familiäre Unterstützung für den Gründungsprozess wichtig ist, in der Gründungsforschung bereits als stylized fact bezeichnen. In Kürze lässt sich die Publikation zusammenfassend so beurteilen: Das Buch enthält viele, vor allem landeskundliche Informationen über Mexiko, die der Allgemeinbildung zuträglich und für deutsche Unternehmer, die dort den Schritt in die Selbständigkeit wagen wollen, sicherlich hilfreich sind (z.B. auch die Liste der nützlichen Adressen im Anhang, 434 ff.). Die Arbeit wird allerdings wissenschaftlichen Ansprüchen neuerer wirtschaftsgeographischer und betriebswirtschaftlicher Forschung nur mit Einschränkungen gerecht. Diese Aussage hat unabhängig von der wissenschaftstheoretischen Position des Betrachters ihre Gültigkeit.
Autorin: Christine Tamásy

Quelle: Zeitschrift für Wirtschaftsgeographie Jg. 49 (2005) Heft 3/4, S. 263-264



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