Werner Arnold, Anton Escher und Carmella Pfffenbach: Malula und M'allo?y. Erzählungen aus einem syrischen Dorf. Würzburg 2004 (Bibliotheca Academica, Reihe Orientalistik 9). 247 S.

Schon seit dem Ende des 18. Jahrhunderts üben die Dörfer mit aramäisch sprechender Bevölkerung im syrischen Berggebiet westlich von Damaskus eine eigenartige Faszination auf europäische Forscher unterschiedlichster Herkunft aus. Zahlreiche ältere Geschichten und Erzählungen über diese Dörfer liegen daher bereits vor. Die Erzählungen des vorliegenden Bandes sollen nun aus europäischer Sicht mit Unterstützung der Bewohner von Malula über das Dorf und seine Bewohner berichten, und zwar nicht über das "alte, malerische" Dorf, sondern über das nicht mehr ganz so malerische "neue" Dorf.
Lange Aufenthalte der drei Autoren in Malula und 89 qualitative Interviews mit Bewohnern und Repräsentanten, mit Migranten und Remigranten des Dorfes sowie eine systematische Befragung aller 1.002 Haushalte des Dorfes liefern die Grundlage für die Studie. In einem ersten Teil setzt sich die Studie mit der Entwicklung der Wohnsiedlung, dem überwiegend christlichen Bauerndorf, dem Aus- und Abwandererdorf sowie dem Sommerfrischendorf auseinander. In einem zweiten Teil stehen die einflussreichen Personen von Malula mit ihren Aussagen über die politische, religiöse und ökonomische Situation bzw. Entwicklung des Dorfes im Zentrum der Erzählung. Schließlich berichten im dritten Teil verschiedene Dorfbewohner über sich und ihren Ort. Darunter sind auch Arbeitsmigranten, die außerhalb des Dorfes leben, dort ihren Lebensunterhalt verdienen, aber immer wieder das Dorf besuchen oder in anderer Form mit dem Dorf und seinen Bewohnern in Verbindung stehen.
Durch eine geschickte Auswahl der Zitate kommen sehr lebendige Bilder von der Entwicklung des Dorfes und seiner Bewohner, von den Lebensgrundlagen des Dorfes, von den konfessionellen, ökonomischen und sozialen Handlungsabläufen und Beziehungen im Dorf, von den temporären Arbeitsmigranten und den Auswanderern und von den Pendlern, Remigranten, Sommerfrischlern und Touristen zustande. Es ist ein spannend zu lesendes Buch, dem es gelingt, neben der allgemeinen Entwicklung Malulas von einer ländlichen Siedlung zum Wohnvorort im Ballungsraum Damaskus auch die Einzigartigkeit des Dorfes aufgrund
der aramäischen Sprache und des internationalen und nationalen Tourismus herauszustellen.  
 Autor: Helmuth Toepfer

Quelle: Erdkunde, 59. Jahrgang, 2005, Heft 2, S. 171-17

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