Raumordnung im Alpenraum. Tagung der LAG in Bayern zum Jahr der Berge. Hannover 2003 (Arbeitsmaterial ARL 294). 137 S.

Die Akademie für Raumforschung und Landesplanung (ARL) publizierte ausgewählte Beiträge einer Tagung zur Raumordnung im Alpenraum. Diese Tagung wurde aus Anlass des Internationalen Jahres der Berge von der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Bayern in Benediktbeuern organisiert.

Auf 137 Seiten sind die 11 Beiträge in vier Blöcken gegliedert.
Der erste Block widmet sich der Entwicklung des Alpenraumes aus Sicht der Raumordnung. WERNER BÄTZING stellt die Bevölkerungs- und Siedlungsentwicklung im Alpenraum zwischen 1870 und 2000 vor. Er konstatiert aus seinen Untersuchungsergebnissen, dass die Alpen nicht mehr zu den benachteiligten Großregionen in Europa gehören. Die Flächennutzung im Alpenraum wird von KARL RUPPERT vergleichend für Österreich, Schweiz, Slowenien und Deutschland beschrieben und als Scharnier zwischen Umwelt und Gesellschaft beschrieben. In seinem Fazit fordert er unterschiedliche, regional differenzierte Handlungsstrategien. Der dritte Beitrag von JÖRG MAIER stellt die Konflikte und Regelungsansätze im Sinne der Nachhaltigkeit ausgehend vom Tourismus und der Regionalplanung im Alpenraum dar. Er belegt die schwierige Findung nachhaltiger Lösungsansätze aufgrund der vielfältigen Auseinandersetzung zwischen den jeweiligen ökonomischen, sozialen und ökologischen Interessen. BERND SCHOLL erläutert am Beispiel der Schweiz die integrierte Raum- und Verkehrsentwicklung im Alpenraum. Offene Fragen werden aufgezeigt und auf Perspektiven für angrenzende Gebiete von Deutschland wird besonders im Hinblick auf das Konzept Bahn 2000 und die neuen Eisenbahntransversalen (NEAT) verwiesen. Der letzte Beitrag
dieses Blocks von WERNER ROSINAK beleuchtet die österreichische Verkehrspolitik unter Berücksichtigung von raum-europäischen Aspekten und fordert eine Gesamtstrategie für die vier Transportkorridore (Brenner-, Tauern-, Süd-, Donau-korridor).
Im zweiten Teil zur Bedeutung der Alpenkonvention für die Raumordnung widmet sich STEFAN KÖHLER der Alpenkonvention und beschreibt diese als Chance für eine nachhaltige Entwicklung der Alpen. BENNO HAIN fokussiert sich auf die bergspezifischen Umweltqualitätsziele im Rahmen der Alpenkonvention. Er führt aus, dass erste Vorschläge zu Indikatoren und Standards vorliegen, betont aber gleichzeitig, dass ein solches Indikatorensystem noch konkretisiert werden muss. Anhand des Tiroler Modells zur Beurteilung besonders sensibler Gebiete erläutert HERBERT SCHEIRING wie mittels eines Kriterien-Indikatoren-Systems die Bewertung durchgeführt werden sollte.
Als einziger Beitrag im dritten Block zu den besonderen ökologischen Fragestellungen im Alpenraum bezieht ALOIS HELMREICH zu "Alpwege" Stellung. Er erörtert an einem Beispiel aus dem Oberallgäu die Entwicklung und momentane Situation des Alpwegebaus.
Im letzten Block zu Raumordnungsplänen im Alpenraum widmet sich KONRAD GOPPEL dezidiert dieser Thematik. Aufbauend auf der europaweiten Bedeutung der Alpen und den Leitvorstellungen zum Alpenraum werden detailliert die Instrumente der Raumordnung dargelegt. Die spezielle raumplanerische Situation in Österreich wird von CHRISTOPH BRAUMANN am Beispiel von Salzburg präsentiert. Der allgemeinen Beschreibung folgt eine sich auf das wesentliche beschränkende Darlegung der speziellen Situation. Er fasst zusammen, dass es der Salzburger Raumplanung der letzten Jahre gelang, im Bereich einer bedarfsgerechten und flächensparende Siedlungs- und Baulandentwicklung zielführende Schritte zu unternehmen.
Der vorliegende Sammelband gibt einen guten Überblick der Raumordnungskonzepte des Alpenraumes. Ein eigener Beitrag oder ein thematisches, integratives Vorwort mit dem Ziel einer Einordnung der Beiträge in einen übergeordneten Rahmen wäre zwar wünschenswert und sehr hilfreich für den Leser gewesen, jedoch geben die Beiträge des vorliegenden Bandes auch in der präsentierten Form einzelner thematisch fokussierten Fachbeiträge einen guten Überblick. Dem fachkundigen Interessierten sei dieser Tagungsband zu empfehlen.    
Autor: Thomas Glade

Quelle: Erdkunde, 60. Jahrgang, 2006, Heft 1, S. 68-69

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