Christina von Haaren (Hg.): Landschaftsplanung. Stuttgart 2004. 528 S.

Mit dem vorliegenden, umfassenden und längst überfälligen Kompendium füllen die Autoren eine klaffende Lücke im Lehrbuchangebot für die naturschutzorientierten Planungswissenschaften. In einer Art "Gebrauchsanweisung" stellt die Herausgeberin zu Beginn des anzuzeigenden Werkes klar, an wen sich das Buch richtet und was seine Intention ist.

So soll das Buch "Lern- und Arbeitsbuch" sein, das "sowohl theoretische Hintergründe als auch praktisches Rüstzeug vermittelt". Es richtet sich daher an Studierende der Landespflege, Landschaftsarchitektur und Umweltentwicklung sowie an den Planungspraktiker. Für die erste Zielgruppe soll es ein Lehrbuch, für die zweite Zielgruppe dagegen ein Methodenwegweiser und Kompendium sein. Dieser Spagat zwischen einer theoretischen und didaktisch einfach gestalteten Einführung und einem Handbuch für den professionellen Anwender ist den Autoren voll bewusst. In Bezug auf die behandelte Materialfülle und den Umfang des Werks ist dieser selbst gestellte Anspruch sicher erfüllt worden. Die Umsetzung muss aber dennoch als nur teilweise geglückt bezeichnet werden: Wo für den Studierenden die Vielzahl von Hinweisen auf entsprechende Gesetzestexte und Richtlinien eher verwirrend sein mag, drohen eben diese für den Praktiker interessanten Verweise in der breit abgehandelten Theorie unterzugehen.
Gut gelungen ist der klar strukturierte Aufbau des Buches, das einen weiten Bogen von der Vorbereitung über die Durchführung bis zur Evaluation eines Planungsprozesses spannt. Im ersten Teil werden die theoretischen Grundlagen der Landschaftsplanung beschrieben. Zunächst werden die historischen Wurzeln der Landschaftsplanung und ihre in Ost- und Westdeutschland unterschiedlich verlaufene Entwicklung nach dem zweiten Weltkrieg beleuchtet. An eine Definition der zentralen Begriffe "Landschaft" und "Planung" schließt sich eine kurze Skizzierung über das Tätigkeitsfeld und das Vorgehen der Landschaftsplanung an. Eine interessante Darstellung der umweltethischen Grundlagen und gesellschaftlich akzeptierten Umweltziele findet sich im nächsten Kapitel. Daraus werden die Aufgabenfelder der Landschaftsplanung abgeleitet und ihre Funktion auf den verschiedenen Ebenen der Planungshierarchie dargestellt. Dabei wird auch auf Unterschiede im Planungsprozess der Bundesländer und auf die Bedeutung spezieller Instrumente (z.B. UVP, FFH-Richtlinie, Biotopverbund u.a.) eingegangen. In einem Kapitel über "Planungstheoretische Grundlagen" werden Grundfragen von Erfassung, Bewertung und Skalierung von Landschaftsfunktionen behandelt und eine kurze Einführung in Methoden der Geofernerkundung und Datenverarbeitung mit GIS gegeben.
Der umfangreichste Teil des Buches ist der "Erfassung und Bewertung der Landschaft" gewidmet, in dem insbesondere das sehr ausführliche Kapitel "Methoden zur Erfassung und Bewertung der Landschaftsfunktionen und ihrer Beeinträchtigungen" einen breiten Raum einnimmt. In den ersten Unterkapiteln werden zunächst Techniken zur eigenen Erhebung erläutert und bereits verfügbare Datenquellen für die einzelnen Partialkomplexe einer Landschaft sowie ihrer mannigfaltigen Funktionen genannt. Die einzelnen Kompartimente (Boden, Klima, Grundwasser, Flora und Fauna, Archiv- und Ertragsfunktion, Biotop- und Erholungsfunktion u.a.) werden dann nacheinander abgehandelt. Definitionen und die Relevanz für die Landschaftsplanung der jeweiligen Landschaftsfunktionen werden in knappen und sehr allgemein gehaltenen Abschnitten vorangestellt, bevor die betreffenden Erfassungs- und Bewertungsstandards fast ‚kochbuchartig' abgearbeitet werden. Da in einer realen Landschaft ja alle Kompartimente miteinander vernetzt sind, jedes Unterkapitel aber als eigenständige Einheit (auch von verschiedenen Spezialisten) geschrieben ist, bleiben hier Wiederholungen nicht aus. Die Darstellung der Methoden zur Datenerhebung und -bewertung werden in oft mehrseitigen Tabellen zusammengefasst, die durch den sich wiederholenden Aufbau und verschiedene Graustufen im Layout eine inhaltliche und optische Übersichtlichkeit erfahren. Dieser umfassende und sehr textlastige Teil des Buches wird durch zahlreiche, inhaltlich teilweise verzichtbare und immer gleich gestaltete Fließdiagramme zum Ablauf des Arbeitsschemas ergänzt. In mittlerer Qualität reproduzierte Schwarzweiß-Karten, die verschiedene Sachaspekte desselben Bearbeitungsgebietes darstellen, sollen das Vorgehen an einem Fallbeispiel aus der Praxis veranschaulichen. Der Erkenntnisgewinn aus diesen Karten bleibt allerdings in manchen Fällen begrenzt, da der Untersuchungsraum nicht näher vorgestellt wird und eine textliche Erläuterung der Karten fehlt. Für den Leser ist dieses Kapitel reichlich strapazierend, allerdings steckt gerade hier eine für den Praktiker sicher sehr wertvolle, umfassende und aktuelle Zusammenstellung der bestehenden Erfassungs- und Bewertungsmethoden. Hervorzuheben sind beispielsweise die zahlreichen Hinweise zu relevanten Methodenwerken oder Gesetzestexten sowie Übersichten der in den einzelnen Bundesländern geltenden unterschiedlichen Standards, die eine zielgerichtete Recherche zu Detailfragen im Bedarfsfall erheblich erleichtern.
Der Teil "Ziele und Maßnahmen" wird durch ein methodologisches Kapitel eingeführt, wie Ziele und die zu ihrer Realisierung angewandten Methoden überhaupt entwickelt werden. Dabei wird sehr gründlich systematisiert und schematisiert, etwa bei der Differenzierung in unterschiedliche Arten von Planungszielen und den spezifischen Instrumentarien, die zu ihrer Umsetzung verfügbar sind. Danach werden die Maßnahmen zur Erhaltung bzw. Entwicklung der einzelnen Landschaftsfunktionen besprochen. Interessant ist die Behandlung von verschiedenen Szenarien zur Visualisierung möglicher Planungsalternativen.
Das Kapitel "Umsetzung der Planung" dürfte vor allem für in der Planungspraxis Tätige von Interesse sein. Es behandelt die zu berücksichtigenden praktischen Belange, die das Instrumentarium zur Umsetzung der Fachplanung und die darstellerische Umsetzung von Landschaftsplanung in Bezug auf Nachbarplanungen erfordern. Es werden weiterhin zivil- und planungsrechtliche Aspekte und die gesamte Finanzierungs- und Kostenplanung eines landschaftsplanerischen Projektes beschrieben. Dabei wird auch auf die einschlägigen Finanzierungs- und Förderinstrumente hingewiesen, einschließlich derzeit existierender EU-, Bundes-, Landes- oder Stiftungsmittel sowie auf die Akquisition von Sponsorengeldern oder die Wertschöpfung durch Produktvermarktung. Der kommunikativen Vermittlung von Planungsszenarien an betroffene Bürger wird ein eigenes Kapitel gewidmet, das mit den Schlagworten Bürgerbeteiligung am Planungsprozess, Transparenz und multimediale Präsentation umrissen werden kann. Zum Schluss werden Entwicklungsperspektiven der Landschaftsplanung im Hinblick auf eine zunehmende Europäisierung und Modularisierung der Planungsprozesse aufgezeigt.
Das Buch ist sehr stringent in vier Gliederungsebenen strukturiert. Dabei scheint das Bestreben der Autoren nach Vollständigkeit manchmal etwas über das Ziel hinauszuschießen. So kann man sich fragen, ob in einem Lehrbuch zu dieser Thematik auch noch "Kreativitätsmethoden" angesprochen werden müssen, deren Behandlung notwendigerweise kursorisch bleiben muss, oder ob in einem eigenen Unterkapitel über "Kommunikation und Beteiligung über das Internet" dem Leser der Unterschied zwischen einer E-Mail, einer Mailing-Liste und einem Diskussionsforum erläutert werden muss. Hier wäre eine stärkere Konzentration des Stoffes wünschenswert gewesen, zumal der oft recht komplexe und an "Amtsdeutsch" erinnernde Sprachduktus sowie der textliche Umfang des Werkes das Buch - wenn man es als Lehrbuch interpretiert - zu einer stellenweise langatmigen Lektüre machen. Dazu tragen auch Mehrfacherwähnungen wiederkehrender Inhalte bei, die häufig jeweils von verschiedenen Autoren gemacht werden und auf eine nicht optimale redaktionelle Abstimmung schließen lassen. Warum müssen beispielsweise beim vorletzten Kapitel "Evaluation in der Landschaftsplanung" nach 450 Seiten nochmals die Aufgaben derselben erläutert werden? Auch die grafische Gestaltung der eingestreuten Diagramme trägt leider nicht immer zu einem unterstützenden Verständnis der Textinhalte bei, sondern erfordert in einigen Fällen eher zusätzliche Anstrengung, um die zu transportierende Botschaft zu erfassen.
Insgesamt betrachtet sind dies jedoch Einschränkungen, die den Gesamtnutzen des Werkes kaum schmälern. Als Fazit ergibt sich ein aktuelles und umfassendes Handbuch, dessen einzelne Kapitel man vor allem bei der konkreten Bearbeitung von Planungsprojekten gezielt als Nachschlagewerk zu Rate ziehen wird und aus dessen umfangreichen Schriftenverzeichnis man großen Nutzen ziehen kann.
Autor: Achim Bräuning

Quelle: Erdkunde, 60. Jahrgang, 2006, Heft 1, S. 80-81





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