Dietrich Denecke: Wege der Historischen Geographie und Kulturlandschaftsforschung. Zum 70. Geburtstag hg. von Klaus Fehn und Anngret Simms. Stuttgart 2005. 390 S.

DIETRICH DENECKE zählt zu den bekanntesten Persönlichkeiten im Bereich der Historischen Geographie und Kulturlandschaftsforschung in Deutschland und über die Grenzen hinaus. Mit seinen zahlreichen Arbeiten hat er die wissenschaftliche Landschaft seit den späten 1960er Jahren bis heute in vielfältiger Weise geprägt. Insofern erscheint es mehr als angemessen, seinem umfangreichen Werk einen Sammelband mit ausgewählten Beiträgen aus der langen Reihe seines Schaffens zu widmen, für den KLAUS FEHN (Bonn) und ANNGRET SIMMS (Dublin) die Herausgabe übernommen haben. In ihrer Einleitung zeichnen die Herausgeber zu-nächst einen Überblick der Entwicklung der Historischen Geographie und ihrer herausragenden Tradition mit einem besonderen Bezug auf HELMUT JÄGER. Vor diesem Hintergrund kann man die im Sammelband vorliegenden Arbeiten von DIETRICH DENECKE deuten, interpretieren, die Weiterentwicklung des Fachs herausarbeiten. Dies gilt insbesondere für den umfassenden Begriff Kulturlandschaft als einem Hauptforschungsgegenstand der Historischen Geographie.
Der vorliegende Band gliedert sich in fünf größere Abschnitte, die wiederum wesentliche Forschungsbereiche der Historischen Geographie und Kulturlandschaftsforschung exemplarisch durch verschiedene Arbeiten DIETRICH DENECKEs widerspiegeln: den Weg der Forschung inklusive allgemeiner Betrachtungsansätze, die Phasen und Prozesse der Siedlungs- und Flurgenese, die Historische Geographie der Stadt, die Beschäftigung mit Verkehr und Altstraßen als Bestandteile der Wirtschafts- und Verkehrsgeographie historischer Kulturlandschaften und schließlich den historisch-geographischen Anwendungsbezug. Gerade das letztgenannte Kapitel macht in eindrucksvoller Weise deutlich, dass DIETRICH DENECKE Historische Geographie nicht um ihrer selbst Willen im Sinne einer "l'art pour l'art" betrieben hat, sondern immer auch ihre Anwendung im Blickfeld hatte. Dass historisch-geographisches Arbeiten nicht alleine reine Grundlagenforschung beinhaltet, zeigen beispielsweise DENECKEs Ausführungen zur Anwendungsorientierung der historischen Stadtforschung in der Denkmalpflege oder auch der Kulturlandschaftsgenese in der Konzeption von Freiland- und Landschaftsmuseen.
Neben der Zusammenstellung von DENECKEs Arbeiten beinhaltet der vorliegende Band auch ein Interview, das ANNGRET SIMMS mit dem Jubilar geführt hat. Es macht deutlich, dass DENECKE weit über die Grenzen der deutsch-sprachigen Geographie hinaus viele Verdienste aufweisen kann (z.B. durch Forschungsaufenthalte und wissenschaftliches Arbeiten bzw. den Austausch mit Kollegen sowohl in einer Reihe europäischer Staaten als auch in Israel, Nordamerika und Japan).
Am Schluss des Bandes kommt DIETRICH DENECKE selbst mit einem eigenen Beitrag zu Wort. Er verweist dabei auf die vielfältigen Sachverhalte der Historischen Geographie, macht aber auch gleichzeitig deutlich, dass gerade diese Pluralität bei der Entwicklung eigener fachspezifischer Arbeitsweisen und Methoden die Anwendung des erworbenen Wissens so interessant und spannend macht. Ein Überblick über DENECKEs Arbeiten rundet den Band ab.   
Autorin: Karin Thieme

Quelle: Erdkunde, 60. Jahrgang, 2006, Heft 1, S. 83-84


Kommentar schreiben