Heiner Monheim (Hg.): Fahrradförderung mit System. Elemente einer angebotsorientierten Radverkehrspolitik. Mannheim 2005. (Studien zur Mobilitäts- und Verkehrsforschung, Band 8). 326 S.

Eke Freitag: Bedeutung und Chancen von Freizeitverkehrsnageboten des ÖPNV - dargestellt am Beispiel von Fahrradbuslinien in Deutschland. Mannheim 2005. (Studien zur Mobilitäts- und Verkehrsforschung, Band 13). 254 S.

Mit den beiden hier anzuzeigenden Publikationen liegen in der Reihe "Studien zur Mobilitäts- und Verkehrsforschung" bereits mehrere Bände vor, die sich mit dem Fahrrad beschäftigen, auch ein Ausdruck der zunehmende Bedeutung des Fahrradverkehrs.

Der von Heiner Monheim herausgegebene Band enthält insgesamt 13 Beiträge, die das Thema Radverkehrsförderung in großer Breite behandeln, wobei insgesamt fünf Themenfelder berücksichtigt werden. Nach einem Einstiegskapitel, in dem das komplexe, bei einer umfassenden Radverkehrsförderung zu berücksichtigende System des Radverkehrs vorgestellt wird, wird die bislang erfolgte Fahrradförderung behandelt. Die Radverkehrsförderung in Deutschland und speziell in dem in dieser Hinsicht aktivsten Bundesland Nordrhein-Westfalen wird nachgezeichnet und bewertet. Zudem werden der bereits erfolgreich durchgeführte Masterplan Fiets, der nationale niederländische Radverkehrsplan, vorgestellt und als Vorbild für Europa diskutiert sowie das EU-Projekt BYPAD (Bicycle Policy Audit), ein Instrument für das Qualitätsmanagement kommunaler Radverkehrspolitik, erläutert. Das Themenfeld "Fahrrad und ÖPNV im Systemverbund" fokussiert auf das erfolgreiche Konzept von Radstationen. Im nachfolgenden Abschnitt werden unter der Überschrift "Orientierungshilfen für den Radverkehr" zum einen am Beispiel des Radverkehrsnetzes NRW die Notwendigkeit und mögliche Standards von Radwegweisungssystemen anschaulich dargestellt und zum anderen mit einer Vorstellung von Internetportalen für den Radtourismus die aktuellen Möglichkeiten dieser Art der Informationsbeschaffung kritisch beleuchtet. Da hierbei zu Recht eine insgesamt fehlende Koordination der Angebote bemängelt wird, wird von den Autoren zugleich das selbst erarbeitete Konzept eines überregionalen Internetportals vorgestellt. Das abschließende Themenfeld beschäftigt sich mit neuen fahrradbezogenen Mobilitätsdienstleistungen. Anhand zahlreicher nationaler und internationaler Beispiele werden Bedeutung und Potenziale sowohl von Miet-, Leih- und Pfandfahrradsystemen als auch der Berücksichtigung des Radverkehrs im betrieblichen Mobilitätsmanagement herausgearbeitet.
Der umfangreiche Band liefert einige neue Erkenntnisse, trägt ansonsten aber eher bereits Bekanntes zusammen. Vor dem Hintergrund der Zielsetzung, unterschiedliche Bereiche einer komplexen Radverkehrsförderung aufzuzeigen und dafür Best-practice-Beispiele zu liefern, darf dies jedoch als legtim gelten. Wünschenswert wären einige innovative Beispiele aus dem Bereich der Radverkehrsinfrastruktur für den fließenden Radverkehr gewesen, aber insgesamt wird der Band dem selbstgestellten Anspruch voll gerecht. Hervorzuheben ist die spürbare Identifikation von Herausgeber und Autoren mit dem Thema. Es ist zu wünschen, dass der Funke auf Politik und Praxis überspringen möge. Allen Akteuren und Entscheidungsträgern im Verkehrsbereich wird der Band zur Lektüre empfohlen.
In ihrer Diss. widmet sich Elke Freitag einem relativ neuen und noch wenig bedeutsamen Aspekt des Freizeitverkehrs: Fahrradbuslinien als Spezialfall von Freizeitbusverkehren. Für Verkehrsbetriebe ist das Anbieten von Fahrradmitnahmemöglichkeiten in der Regel unwirtschaftlich, da Fahrradplätze für ein relativ geringes Beförderungsentgelt zur Verfügung gestellt werden müssen. Hinzu kommen Verzögerungen im Betrieb durch zeitaufwendige Be- und Entladungsvorgänge. Die Autorin geht zunächst in gebotener Kürze auf den übergeordneten Kontext von Freizeitverkehrsangeboten des ÖPNV sowie auf Fahrradfahrer als Zielgruppe des ÖPNV ein. Das nachfolgende Kapitel über Fahrradbusse in Deutschland hätte man sich hingegen ausführlicher gewünscht. Im empirisch ausgerichteten Hauptteil der Arbeit werden am Beispiel von drei Fahrradbuslinien mit unterschiedlich konzeptioneller Ausrichtung die Potenziale und Wirkungen dieses Freizeitverkehrsangebots untersucht. Die Autorin fokussiert dabei auf betriebswirtschaftliche Wirkungen, Verbesserungen für die Freizeit- und bedingt auch für die Alltagsmobilität sowie auf das Potenzial von Fahrradbussen als Marketinginstrument. Grundlage der Untersuchungen bilden umfangreiche Befragungen sowohl von Fahrgästen als auch von Radfahrern im Bedienungsgebiet der Fahrradbusse sowie Interviews mit den Betreibern der Linien. Überraschende Ergebnisse liefert die Studie nicht. Eine Wirtschaftlichkeit der Fahrradbusse ist nicht gegeben. Ein annähernd rentabler Betrieb ist nur zu erwarten, wenn die Fahrradmitnahme lediglich als Zusatzangebot verstanden wird und andere Beförderungsaspekte im Vordergrund stehen. Dies wird auch deutlich bei der Betrachtung der Fahrradbusse als Marketinginstrument. Die größten Potenziale werden dort vermutet, wo die Busse eine ÖPNVGrundversorgung mit übernehmen. Leider wurde angesichts der umfangreichen Datenmenge die Chance vertan, noch weiter reichende Untersuchungen durchzuführen. Gerade in Anbetracht der nur geringen Nutzung der Fahrradbusse wäre unter Marketingaspekten insbesondere eine feinere soziodemographische Analyse nützlich gewesen. Interessant liest sich das anschließende Kapitel, in dem die Qualität der Kommunikation von Fahrradbusangeboten exemplarisch anhand ausgewählter Informations- bzw. Werbe-Flyer untersucht wird. Daran wird auch die Stärke der Arbeit deutlich, die in der Verwertbarkeit der Untersuchungsergebnisse für die Praxis zu sehen ist. Zumindest für alle (potenziellen) Betreiber von Fahrradbuslinien ist die Arbeit von Elke Freitag von besonderem Interesse.
Autor: Michael Feldkötter

Quelle: Zeitschrift für Wirtschaftsgeographie Jg. 50 (2006) Heft 2, S. 141-142

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