Michael Horn: Steigerung des Allgemeinwohls durch die Ausrichtung einer Sportgroßveranstaltung. Mannheim 2005 (Mannheimer Geographische Arbeiten 57). 247 S.

Mit Blick auf das Sportgroßereignis in Deutschland im nächsten Jahr - die Fußballweltmeisterschaft - macht der Titel neugierig; wollen wir doch möglichst alle unser Gemeinwohl steigern und wenn uns das ein solches Sportgroßereignis liefert, umso besser. So war es das Ziel der Dissertation von MICHAEL HORN, im Auftrag des Bundesinstituts für Sportwissenschaft ein bilanzierendes Verfahren zur Erfolgskontrolle solcher Ereignisse zu entwickeln. Dabei sollten nicht nur die monetär zu bewertenden Faktoren berücksichtigt werden, sondern ganz im Sinne des Nachhaltigkeitsgedankens neben der Ökonomie Ökologie und Soziales mit in das Bewertungsverfahren einfließen.

Zunächst grenzt MICHAEL HORN "Sportgroßveranstaltungen" begrifflich ein, indem er sich einerseits über Großveranstaltungen und andererseits über Sport nähert, beides nach der Literaturlage uneindeutige Begriffe. Dann stellt HORN bisherige Verfahren zur Evaluation der Wirkungen von Sportgroßveranstaltungen vor und kommt zu dem Schluss, dass von den vorgestellten Verfahren (Kosten-Nutzen-Analyse, Kosten-Wirksamkeits-Analyse und Nutzwertanalyse) sich die Kosten-Nutzen-Untersuchung am ehesten als tauglich erweist, alle potentiellen Faktoren und Wirkungseffekte einer Sportgroßveranstaltung zu erfassen. Zur Vorbereitung seines eigenen Bewertungsverfahrens klassifiziert HORN die ökonomischen, ökologischen und sozialen Wirkungen solcher Veranstaltungen für unterschiedliche Akteure und Gruppen, um dann diese Aspekte in das Bewertungsverfahren einzupassen. Seinen Evaluationsvorschlag überprüft er an zwei konkreten Veranstaltungen, dem FIS Weltcup-Skispringen 2001 in Willingen und dem 60. Internationalen Stadionfest ISTAF 2001 in Berlin. Als Methoden wählt HORN standardisierte Befragung und teilstandardisierte Expertengespräche. Dieser empirische Abschnitt macht den größten Teil der Arbeit aus.
Überträgt man HORNs Befunde, dann lässt uns die kommende Fußballweltmeisterschaft einen ökonomischen Schub für die beteiligten Akteure erwarten, ebenso überwiegend positive soziale Effekte (gemeint sind Unterhaltung, gefühlte Zusammengehörigkeit, Stärkung der regionalen Identität, ...). Aus ökologischer Sicht wäre allerdings die Nicht-Durchführung der Veranstaltung zu empfehlen. In der Summe kein überraschendes Ergebnis.
Unklar bleibt leider, was denn das "Gemeinwohl" der Gesellschaft, das es zu steigern gilt, eigentlich ist. Welche Annahmen über Werte und Normsetzungen stecken in dem Begriff Gemeinwohl? Für wen gilt das Gemeinwohl, tatsächlich für alle oder zählt doch nur der ökonomische Erfolg der Beteiligten? Ab wann gilt das Gemeinwohl gesteigert und wann vermindert? Das Gemeinwohl als normative Setzung erscheint in HORNs Arbeit als unhinterfragbarer gesellschaftlicher Wert; HORN schenkt dem Begriff ganze zwei Sätze in der Einleitung und blendet damit eine Reflektion über diesen grundlegenden Aspekt völlig aus. Dennoch liefert HORN mit seiner Arbeit eine praktisch-technische Anleitung zur Kosten-Nutzen-Analyse von Sportgroßveranstaltungen, die sicherlich ihre Interessenten finden wird.    
Autorin: Heike Egner

Quelle: Erdkunde, 60. Jahrgang, 2006, Heft 2, S. 187

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