Rüdiger Glaser und Klaus Kremb (Hg.): Nord- und Südamerika. Darmstadt 2006. 253 S.

"Planet Erde" ist der Titel einer neuen, von der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft in Darmstadt geplanten Reihe, die - unter besonderer Berücksichtigung von Problemen des Global Change - "Krankheitsbilder"/ Syndrome der Erde beleuchten will.

Als erster dieser auch als geoökologische Regionalkunde bezeichneten und auf insgesamt 5 Bände konzipierten Reihe liegt nun der Titel "Nord- und Südamerika" vor. Nach einer kurzen Einführung in das vom Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) in die Diskussion gebrachte Syndromkonzept - das übrigens als eine ex post-Analytik von Umweltproblemen keineswegs unumstritten ist - werden insgesamt 18 Fallstudien vorgestellt, die in unterschiedlicher räumlicher Dimension die Umweltproblematik der Neuen Welt behandeln. Neben Überblicken über Gefahren- und (Natur-)Schutzräume und über klimatische Gefährdungen Nordamerikas, Umweltpolitiken in den USA sowie einer geo-ökologischen Großgliederung Südamerikas widmen sich die spezielleren Fallbeispiele der Fragilität der großen Waldländer (Borealis einerseits, Amazonien andererseits), den anthropogen ausgelösten Degradationserscheinungen in den Great Plains und in der Pampa, den Überlebenschancen traditionell-integrierter Landnutzungssysteme in Südbrasilien, der begrenzten Ressource Wasser (Umweltprobleme an den Großen Seen, Wassermangel im Südwesten der USA) sowie der El Niño-Problematik an der Westküste Südamerikas. Ökologische Konsequenzen am Beispiel des Bergbaus werden für Chile thematisiert; politische Visionen und ihr durch Natur wie Mensch bedingtes Scheitern an Beispielen aus dem pazifischen Grenzraum USA/Kanada bzw. Kuba. Zwei Beiträge schließlich widmen sich Aspekten eines indigenen Ressourcenmanagements (St. James Bay/Kanada) bzw. den Ursachen des Scheiterns indigener Kulturen (Nasca-Kultur/Peru). Bemerkenswert sind die in den einzelnen Beiträgen immer wieder eingeschobenen und entsprechend hervorgehobenen Kernaussagen, Zusatzinformationen (etwa Zitate, Formeln ...) oder auch definitorische Hinweise zu dem
jeweils behandelten Fallbeispiel. Gut lesbare Karten und Diagramme, z.T. sehr aussagekräftige Fotos und ein Literaturverzeichnis ergänzen die Texte. Ob alle Beispiele - übrigens durchweg von Kennern der Materie verfasst - in gleicher Weise repräsentativ und auch verallgemeinerbar sind, bleibe dahingestellt; es tut aber auch nichts zur Sache. Auf jeden Fall zeigt die in diesem Buch vereinte Aufsatzsammlung die Bandbreite natürlich oder anthropogen ausgelöster Gefährdungspotentiale von Geosystemen und Umwelten in beiden Amerikas. Der angezeigte Band wie auch die Reihe "Planet Erde" insgesamt wendet sich explizit an Studierende und Schule. Und er geht von der Prämisse aus, dass "Global Change [...] das Geothema schlechthin" sei. Gerade weil der Rezensent dieser Aussage gern zustimmen möchte, sei die folgende Anregung erlaubt: Wären nicht eine allgemeine Einführung und/oder verallgemeinerbare Schlussfolgerung zu Ursachen, Verlauf und Wirkung globalen Wandels wie globaler Umweltveränderungen hilfreich? Eine solche, die vielfältigen regionalen Fallbeispiele in einen breiteren Gesamtzusammenhang stellende Einbettung, würde den potentiellen wie realen Beitrag der Geographie zu dem von vielen Disziplinen bearbeiteten Feld der Umweltforschung sichtbarer machen. Es würde zugleich bedauerliche Defizite des Faches in der Vergangenheit, seine Mitwirkungsmöglichkeiten in der Zukunft deutlicher in den Vordergrund rücken. Und vielleicht könnten solche allgemeinen Übersichten zum Thema Geographie und Umwelt auch fachliche Beiträge zu Problemlösungen und zu Therapien der Symptome/Krankheitsbilder aufzeigen. Der vorliegende Band ist ein be-
grüßenswerter und wichtiger Versuch, Geographie als Umweltwissenschaft sowie als Analytik komplexer Mensch-Umwelt-Beziehungen in das Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit zu rücken. Man darf auf die folgenden Bände gespannt sein, die dann über den regionalen Fall hinaus und aus ihm abgeleitet auch generelle Aussagen zum Thema "Geographie und Global Change" machen!
Autor: Eckart Ehlers

Quelle: Erdkunde, 60. Jahrgang, 2006, Heft 3, S. 299-300

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