Handwörterbuch der Raumordnung. 4., neu bearb. Aufl. Hannover 2005. 1364 S.

Das im Jahre 2005 in der vierten Auflage erschienene Nachschlagewerk ist seit langem ein Klassiker und ein Muss für jeden, der sich rasch einen Überblick zu einem bestimmten Thema im Bereich Planung und Raumentwicklung verschaffen möchte.

Insbesondere für den in der Planungspraxis tätigen oder dorthin strebenden Diplomgeographen ist dieses Handwörterbuch, das mit fast 1.400 Seiten und stabilem Cover durchaus gewichtig in der Hand liegt, eine wichtige Orientierungsmarke.
Das Werk muss man wenigstens aus zwei unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten. Zum einen als Nachschlagewerk, als eine Art Speziallexikon, beispielsweise für Studierende, die zu bestimmten Themen einen Einstieg oder Überblick gewinnen wollen. Zum anderen als "vollständige Neubearbeitung", die beansprucht, den "state of the art" der Raumordnung wiederzugeben.
Das Nachschlagewerk zur Raumordnung ist wichtig für jeden, der sich mit Raumentwicklung, Raumplanung und Raumordnung beschäftigt. Von "A" bis "Z" beginnend mit "Abfallwirtschaft", "Abwägung der Belange" und "Achsenkonzept" bis hin zu "Zentrale Orte", "Ziele, Grundsätze, Erfordernisse der Raumordnung" und "Zivilgesellschaft" werden, wie bereits an den ersten und letzten Stichwörtern deutlich wird, praktische, juristische, planerische und gesellschaftswissenschaftliche Aspekte der Raumordnung abgehandelt. Bekannte und kompetente Autoren erläutern die Stichworte in gegliederten Artikeln, die meist zwischen acht und fünfzehn doppelspaltige Seiten umfassen. Ein Kritikpunkt ist, dass es auch in der vierten Auflage nicht gelungen ist, Überschneidungen und nach meinem Verständnis nicht ganz plausible Zuordnungen zu beseitigen. Beispielsweise tauchen die "Leitbilder der Stadtentwicklung in Deutschland" breit im Artikel "Stadt" und nicht in den Beiträgen "Stadtentwicklung" oder "Stadtentwicklungsplanung" auf.
Wie sieht es nun mit dem "state of the art" aus? Das neue Handwörterbuch wird als vollständige Neubearbeitung angeboten. Dies ist allerdings ein wenig übertrieben. Zwar sind durchaus Aktualisierungen vorgenommen worden, so etwa finden sich neue Stichworte wie "Governance", "Risikomanagement" oder "Wasserrahmenrichtlinie". Entsprechend ist hier auch die neuere Literatur nach 2000 zitiert. Eine gewisse Neuorientierung gilt für eine ganze Reihe von Beiträgen, beispielsweise den über "Umweltverträglichkeitsprüfung", ja selbst der Nestor der "Stadtentwicklungsplanung", GERD ALBERS, geht ein wenig auf das neuere Phänomen "schrumpfende Stadt" ein. Aber die Grundstruktur ist die überkommene (oder bewährte) geblieben und entsprechend sind bei vielen Artikeln nur vereinzelt nach 2000 erschienen Quellen angegeben. Dies muss bei historischen Aspekten oder bei zeitlos gültigen Abhandlungen ja kein Nachteil sein, aber insgesamt atmet das Handwörterbuch doch ein wenig den Geist der Nachkriegsraumordnungsgeschichte, in dem die "weisen Männer" (Frauen stellen gut zehn Prozent der Autoren) der Raumordnung ihren reichen Erfahrungsschatz zusammengetragen haben. Man kann von einem Handwörterbuch nicht erwarten, dass es allen tagesaktuellen Strömungen Rechnung trägt, insofern ist die Grundstruktur schon in Ordnung. Man muss sich nur darüber im Klaren sein, dass das Werk, wie die Akademie für Raumforschung und Landesplanung insgesamt, zwar die Schnittstelle von Wissenschaft und Praxis repräsentieren soll, aber letztlich doch die institutionalisierte Raumordnung den Eckstein darstellt, sodass aktuelle Debatten und Strömungen aus der Sicht eines Wissenschaftlers unterrepräsentiert sind.
Ist man sich darüber im Klaren, dass es sich, wie der Titel es ja ausdrückt, um ein "Handwörterbuch der Raumordnung" und nicht der Raumforschung handelt, so gehört das Werk auf jeden Fall in jede Institutsbibliothek der Geographie, und wer es öfter braucht, sollte es sich gut greifbar ins eigene Regal stellen.
Autor: Jürgen Pohl

Quelle: Erdkunde, 60. Jahrgang, 2006, Heft 3, S. 304

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