Marit Rosol: Gemeinschaftsgärten in Berlin. Eine qualitative Untersuchung zu Potenzialen und Risiken bürgerschaftlichen Engagements im Grünflächenbereich vor dem Hintergrund des Wandels von Staat und Planung. Berlin 2006. 386 S.

Die Dissertation befasst sich mit der wichtigen Frage, welchen Beitrag ehrenamtliches bürgerschaftliches Engagement bei der Gestaltung und Nutzung städtischer Grünflächen im Zeichen anhaltender Finanzkrise der Kommunen leisten kann.

In einer Fallstudie von Berliner Gemeinschaftsgärten werden deren jeweilige Geschichte, formale, d.h. rechtliche und monetäre, Rahmenbedingungen, dann aber auch die soziale Organisation bürgerschaftlichen Engagements, sowie Einstellungsmuster, Motivationen und Effekte untersucht. Die Arbeit schließt mit einer mehr kursorischen Betrachtung von Risiken, Potenzialen und Handlungsempfehlungen für die städtische Grünflächenplanung.
Die ungemein systematisch und breit angelegte Arbeit überzeugt vor allem mit ihrer sozialwissenschaftlichen Orientierung von Fragestellung, Empirie und theoretischer Konzeption. Im Methodeninstrumentarium dominieren Problem angemessen qualitative Erhebungsmethoden, so vor allem problemzentrierte Interviews und teilnehmende Beobachtung. Besonders interessant sind die Ausführungen zur Geschichte der Gemeinschaftsgärten, die in nicht wenigen Fällen eine anhaltende Orientierung der Akteure an emanzipatorischen Idealen bürgerschaftlicher Selbstbestimmung nachweisen, dann aber auch zu Sozialstruktur und Motiven der AkteurInnen, schließlich zu den sozialen und pädagogischen Effekten bürgerschaftlichen Engagements im städtischen Grün: so haben die AkteurInnen überdurchschnittliche Bildungsabschlüsse, wohnen eher in Miet- als Eigentumswohnungen und geben "Spaß" als zentrales Motiv ihres Engagements an, allerdings offenbar in einer bunten Mischung mit anderen Beweggründen, unter denen gärtnerische und soziale dominieren. Im Übrigen bestätigt die Arbeit das offenbar erhebliche Potenzial bürgerschaftlichen Engagements zumindest dieses Typs für soziale Integration und lokale Identifikation durch
gemeinschaftliche Interaktion, sogar interkulturelle Kommunikation.    
Autor: Ulrich Mai

Quelle: Erdkunde, 61. Jahrgang, 2007, Heft 1, S. 125

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