Verena Meier Kruker, Jürgen Rauh: Arbeitsmethoden der Humangeographie. Darmstadt 2005 (Geowissen kompakt). 182 S.

Paul Reuber, Carmella Pfaffenbach: Methoden der empirischen Humangeographie. Braunschweig 2005 (Das geographische Seminar). 248 S.

Fast zeitgleich ist in den Reihen "Geowissen Kompakt" der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft und "Das Geographische Seminar" des Westermann Verlags ein Lehrbuch zu empirischen Arbeitsmethoden der Humangeographie erschienen. Beide Lehrbücher stellen qualitative methodische Zugänge in friedlicher Koexistenz neben den seit den 1970er Jahren dominierenden quantitativen Ansätzen dar. Die anvisierte Zielgruppe sind Studierende ab dem Grundstudium. Verantwortlich ist jeweils ein zweiköpfiges Autorenteam: Meier Kruker und Rauh (2005) bzw. Pfaffenbach und Reuber (2005).

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Methodenlehrbücher, die qualitative und quantitative Ansätze unter einem Buchdeckel präsentieren, sind in der deutschsprachigen Geographie neu. Denn Methoden wurden hier bisher entweder mit einem deutlichen Schwerpunkt bei quantitativen Ansätzen (Wessel 1996) oder unter stärkerer inhaltlicher Eingrenzung, etwa für Bereiche wie Statistik, Kartographie oder GIS behandelt. Die beiden Lehrbücher können somit als Zeichen für die (Re-)Integration qualitativer Verfahren in den offiziellen Methoden-Kanon der Geographie gedeutet werden.
Zugänge zum Thema
Die Autorinnen und Autoren beider Lehrbücher bringen eingangs ihr Anliegen zum Ausdruck, nicht nur technisches Methodenwissen zu vermitteln, sondern Methoden auch in ihren jeweiligen erkenntnistheoretischen Kontexten und wissenschaftlichen Weltbildern zu verorten. Im Modus des Methodenpluralismus werden am kritischen Rationalismus orientierte quantitative Methoden und die verschiedenen erkenntnistheoretischen Hintergründen verpflichteten qualitativen Verfahren einander einführend gegenübergestellt.
Unter der Überschrift "Wir forschen immer noch am Strand, aber der Strand ist bunter geworden" stellen Reuber/Pfaffenbach die neue Methodenvielfalt anhand des klassischen Einführungsbeispiels von Haggett (1991) dar: Der ehemals aus raumwissenschaftlicher Perspektive betrachtete Strand wird hier kurz durch andere Brillen gesehen, die etwa Bedeutungszuweisungen und Territorialisierungen untersuchen. Anschließend stellen die Autoren unter Verweis auf philosophische, literarische und popkulturelle Beispiele (die Filme "Matrix" und "Truman Show") Vorstellungen von gesicherter Erkenntnisfähigkeit und Erfahrbarkeit der Welt in Frage und plädieren für eine konstruktivistische Perspektive auf die Objekte der Forschung und mithin für eine Sichtweise von Methoden als Konventionen mit beschränkter Gültigkeit und Reichweite (33).
Meier Kruker und Rauh beginnen mit einer knappen Gegenüberstellung des qualitativen und des quantitativen Wegs hinsichtlich unterschiedlicher erkenntnistheoretischer Hintergründe, Zielstellungen und Gütekriterien von Forschung. Behandelt werden aber auch ethische Aspekte von Forschung. Es folgt ein  knappes Kapitel über den Ablauf eines Forschungsprozesses, das nützliche und einfach gehaltene Hinweise für den Weg in und durch die Forschung, wie das Definieren einer Forschungsfrage und die Planung der Forschung gibt. Ein Kapitel über die Auswahl von Fällen behandelt Verfahren zur Bestimmung der Grundgesamtheit und zur Stichprobengewinnung in quantitativen und qualitativen Untersuchungen.
Quantitativ - Qualitativ - Positionen im Methodologie-Diskurs
Im Mittelpunkt beider Lehrbücher steht die Darstellung von qualitativen und quantitativen Methoden in separaten Kapiteln. Hierfür ist zunächst zu klären, was die beiden Ansätze unterscheidet.
Reuber/Pfaffenbach sehen eine "pragmatisch-praktische Dichotomie" zwischen qualitativen und quantitativen Ansätzen "auf Grundlage unterschiedlicher wissenschafts- und erkenntnistheoretischer Fundamente" (34). Auf der einen Seite der Dichotomie verorten sie Ansätze, die "mit harten Daten und mathematisch-statistischen Analyseinstrumenten auf der Grundlage des hypothetischen Realismus ... die ‚objektive Realität' immer genauer, immer richtiger zu erkennen" versuchen. Auf der anderen Seite stehen die Versuche, die eigentlich "für das Alltagshandeln und die Struktur der Gesellschaft" relevanten "sozialen Konstruktionen" in Form "subjektive[r] und kollektive[r] Geographien (Regionalisierungen) und deren sprachliche Formen zu untersuchen" (ibid.).
Diese etwas wertende Unterscheidung zwischen qualitativen und quantitativen Ansätzen ist durch das gesamte Lehrbuch erkennbar und funktioniert als (durchaus lobenswerte) Austreibung allzu leichtfertiger wissenschaftlicher Wissensproduktion, die unter der Maßgabe stattfindet, DIE Wahrheit zu entdecken. Stattdessen werden die Vorzüge einer am sozialen Konstruktivismus orientierten Geographie betont, die sich im Unterschied zu quantitativen Ansätzen ihrer eigenen Positionalität und des Charakters wissenschaftlicher Forschungen als "Konstruktionen über Konstruktionen" bewusst sei. Einer konstruktivistischen Humangeographie gehe es dann "z.B. im Unterschied zu einer quantitativen Datenanalyse im Sinne des kritischen Rationalismus nicht darum, die ‚objektive' Anordnung von Strukturen, Funktionen, sozialen und ökonomischen Disparitäten etc. herauszufinden. Die Aufmerksamkeit richtet sich vielmehr darauf, welche Bedeutung räumliche Repräsentationen für Menschen haben, welche symbolischen Aussagen sie enthalten, welche Erinnerungen sie aktivieren, welche Macht sie ausüben ..." (33).
Diese klare Positionierung führt im Rahmen des pluralistischen Methodenbuchs zu einer Gratwanderung, die darin besteht, quantitative Ansätze darzustellen und diese gleichzeitig als leicht wahnhaft-verfangen in ihrer Suche nach der (nicht relevanten) ‚objektiven Realität' darzustellen, was zumindest außerhalb des Kapitels zu quantitativen Ansätzen zu vielen distanzierenden Anführungszeichen führt. Der Stellenwert der quantitativen Geographie wird dann auch eher pragmatisch durch den hohen Stellenwert von "harten Daten" und "datenbezogenen Regionalisierungen" gerechtfertigt: Dies gelte in der Politik, den Nachrichten, am Stammtisch (37) und auch in der Wissenschaft, "wenn es um die Vermittlung von Absolventen in die Praxis ... und ... die Akkumulation allokativer und autoritativer Ressourcen (Stellen, Geld, Räume) für das Fach in einer finanzknappen Hochschullandschaft" gehe (24).2
Die enge Zuordnung quantitative Ansätze>kritischer Rationalismus vs. qualitative Ansätze>Konstruktivismus, die Reuber/Pfaffenbach vornehmen, ist sicherlich zum Teil dem Gebot der Vereinfachung geschuldet. Sie unterschlägt dabei aber eine uneindeutige wissenschaftliche Praxis, in der auf der einen Seite auch viele quantitative Ansätze versuchen, soziale Konstruktionen einzufangen (beispielsweise durch die Integration subjektiver Wahrnehmungen des Ziellandes in quantitativen Migrationsmodellen). Auf der anderen Seite folgen auch viele qualitative Arbeiten in Beobachtungen, Interviews oder Dokumentenanalysen zumindest teilweise einem realistischen Ansatz. Unerwähnt bleiben damit die "Hybridisierungen", in denen man in der Interpretation von empirischen Daten zumindest punktuell auf realistische Positionen ausweicht (Hirschauer 2003). Dies geschieht unter anderem, weil die Kritikfunktion von Wissenschaft sonst kaum aufrechtzuerhalten ist, und weil ein Zuviel an Selbstanalyse für Andere schlichtweg oft langweilig ist. Ein Hinweis auf Kompromisse mit dem radikalen Konstruktivismus wäre hier also nicht schlecht gewesen.
Meier Kruker/Rauh ziehen die Trennlinie zwischen qualitativen und quantitativen Ansätzen pragmatischer: Sie unterscheiden zwischen einem stärker abgegrenzten, überprüfenden und standardisierten Charakter auf der einen und einem eher offenen und explorativen, wenig standardisierten Zugang auf der anderen Seite. Gleichzeitig verweisen sie aber auch darauf, dass "quantitatives und qualitatives Arbeiten sich heute gegenseitig in vielfacher Art und Weise ergänzen können und sollen" - auch im Rahmen ein und desselben Projektes (5). Der Einsatz der nicht zu unrecht in Verruf gekommenen quantitativen Ansätze wird eher (implizit) mit dem Aspekt der Gegenstandsangemessenheit begründet: Die Relevanz dieser Verfahren liege zum Beispiel an ihrer Eignung dafür, "Beziehungen zwischen Daten [zu] testen und Zusammenhänge aufdecken und erklären [zu] können" (6).
Die disziplingeschichtliche Einordnung der qualitativen und quantitativen Ansätze erfolgt ebenfalls unterschiedlich. Meier Kruker/Rauh betonen, dass "qualitatives Forschen in der Geographie nicht so neu" sei und verweisen auf die Rolle von Beobachtungen, Gesprächen etc. in der frühen traditionellen Geographie (19). Reuber/Pfaffenbach kennzeichnen die qualitativ arbeitenden Verfahren bis in die ersten Nachkriegsjahrzehnte als "klassische, eher phänomenologische Betrachtungsweise" (34). Sie stellen keine Verbindungen zwischen den Methoden des Landschaftsparadigmas mit den gegenwärtigen qualitativen Ansätzen her und stellen die qualitativen Ansätze als die auf die quantitativen folgenden, neueren Ansätze dar (36).
In der Darstellung quantitativer und qualitativer Ansätze liegt - vom Umfang her betrachtet - der Akzent bei Reuber/Pfaffenbach bei den qualitativen, bei Meier Kruker stärker bei den quantitativen Methoden.
Darstellung quantitativer Verfahren
Das Kapitel zu quantitativen Ansätzen im Lehrbuch von Reuber/Pfaffenbach beginnt mit einer historischen Einordnung des kritischen Rationalismus und einer Vorstellung seiner Grundprinzipien. Gut ist hier der Hinweis, dass es auch viele quantifizierende Verfahren nicht so genau nehmen mit dem kritischen Rationalismus, da an Stelle von statistischen Beweisen oft nur Zahlen in deskriptiver Weise gebraucht werden (40).
Im forschungspraktischen Teil des Kapitels werden Probleme der Datengewinnung und Stichprobenziehung sowie Merkmale und Regeln der standardisierten Beobachtung und Zählung dargestellt. Mangels Beispielen für szientistische Beobachtungen ist dieses Kapitel aber wenig anschaulich.3 Der größte Teil des Kapitels zu quantitativ-analytischen Methoden beschäftigt sich mit standardisierten Befragungen. Hier werden Ablauf und die Organisation von Befragungen, die Gestaltung eines Fragebogens, und question-wording etc. ausführlich und anschaulich dargestellt. Ein weiteres Kapitel behandelt erste Schritte der Datenaufbereitung. Angesprochen werden Skalierungen, Test- und Schätzverfahren und bivariate Zusammenhänge.
Meier Kruker/Rauh gehen auf ähnliche Verfahren (Beobachtung/Kartierung und Befragung) ein und machen detailliertere Ausführungen zur Befragungsorganisation, der Gestaltung von Fragebögen und Interviewfragen etc. Die Datenauswertung wird auf knapp 60 Seiten besonders ausführlich und mit zahlreichen Abbildungen erörtert. Zusätzlich stehen am Ende des Kapitels Ausführungen zu räumlichen Analysen, in denen auch multivariate Verfahren (am Beispiel der Clusteranalyse von räumlichen Einheiten) behandelt werden.
Beide Lehrbücher geben also einen ersten anwendungsbezogenen Überblick zu quantitativen Methoden. Die Ausführungen zur Datenauswertung reichen bei Weitem nicht an Statistik-Lehrbücher heran, haben dadurch aber auch ein geringeres Abschreckungspotenzial. Die in beiden Lehrbüchern erkennbare Absicht, eine wenig abschreckende Einführung in quantitative Verfahren zu bieten, wird bei Meier Kruker/Rauh mit der Daumenregel "nur soviel an mathematischen Schreibweisen und statistischen Formeln ..., wie unbedingt zum Verständnis notwendig ist." (108) auf den Punkt gebracht.
Darstellung qualitativer Verfahren
Im Kapitel zu qualitativen Methoden gehen Meier Kruker/Rauh auf qualitative Formen der Beobachtung, des Interviews und der Textanalyse ein, die von zahlreichen humangeographischen Forschungsbeispielen begleitet werden. Auswertungsverfahren werden für alle Ansätze kurz angesprochen. Außerdem gibt es, wie schon im quantitativen Teil, praktisches Anschauungsmaterial (ein Beobachtungsprotokoll, Auswertungsmatrix für Interviews). Bei der Darstellung der Interviewformen geben Meier Kruker/Rauh einen synthetischen Überblick anhand des unterschiedlichen Grades der Strukturiertheit, der Fragetechniken etc. und stellen die verschiedenen, sich voneinander zum Teil abgrenzenden Interview-Schulen der qualitativen Forschung (themenzentriert, narrativ, biographisch, fokussiert), knapp und pragmatisch nebeneinander dar. Der Ablauf eines Interviews, die Auswertung und die theoretischen Kontexte von Auswertungsverfahren werden ebenfalls erörtert.
Der qualitative Teil in Reuber/Pfaffenbach (2005) besteht aus zwei Kapiteln, von denen das erste interpretativ-verstehende Verfahren behandelt und das zweite sich der Diskursanalyse widmet. Das erste greift einführend nochmals Hintergründe, Probleme und Kennzeichen qualitativer Forschung auf und stellt die Erhebungsmethoden Beobachtung und Interview ausführlich dar. Die Auswertung qualitativer Daten behandelt u.a. die Transkription und Kodierung von Interviewdaten, die Auswertung der Daten in Typenbildung und "angeblich 'qualitative'" (175) Inhaltsanalysen sowie hermeneutische Verfahren der Text- und Bildinterpretation.
Der methodologische Teil dieses Kapitels wird überwiegend aus der reichhaltigen nicht-geographischen Methodenliteratur bestritten (z.B. Flick et al. 2003, Mayring 2002, Lamnek 1995), in der Anwendung der Methoden werden aber auch einige geographische Forschungsbeispiele genannt.
Das eigenständige und mit 30 Seiten für ein Lehrbuch recht umfangreiche Kapitel zur Diskursanalyse trägt aus Sicht der Autoren einen "stärker explorativen Charakter" (201). Unterschieden werden eher verstehend-interpretative Formen der Diskursanalyse (mit klarer konturierten Handlungsbegriffen, überwiegend aus den Sprach-/Literaturwissenschaften) von eher poststrukturalistischen Formen (mit schwachen bzw. inexistenten Subjekten).4
Mit diesem Kapitel wird eine relativ neue und für die Geographie besonders interessante Methode aufgegriffen und -  insbesondere in Bezug auf die Arbeiten von Michel Foucault - gut hinsichtlich ihrer Grundbegriffe erklärt (Was ist Diskurs? Was ist Diskursanalyse? Worin liegt die Relevanz der Diskursanalyse für die Geographie?). Leider werden hier keine Beispiele für Diskursanalysen im geographischen Kontext dargestellt, sondern lediglich einige Literaturhinweise gegeben. Eine, gelinde gesagt, sehr voraussetzungsvolle Skizze nach dem Literaturwissenschaftler und Diskursforscher Jürgen Link, die  "Grundschemata und kollektive Symbole im Diskurs der Bundesrepublik Deutschland" (205) in U-Boot-Form darstellt, trägt nicht gerade zum Verständnis der Methode bei. Der bereits "gestrafft(e)", aber dennoch mehr als zwei Seiten einnehmende Kasten über "konkrete Schritte der Diskursanalyse" nach Jäger erscheint als zu stark auf die Linguistik ausgerichtet, um für geographische Fragestellungen praktisch anwendbar zu sein. So wird im Ausblick des Kapitels insgesamt zu recht darauf hingewiesen, dass sich die große "begriffliche Sperrigkeit" der Literatur zu Diskursanalysen auch in den Ausführungen im Lehrbuch niederschlagen würde (231).
Gebrauchswert
Das Lehrbuch von Meier Kruker/Rauh bietet einen niedrigschwelligen Einstieg in die empirischen Forschung: Das Design des Lehrbuchs bildet den gesamten Forschungsprozess von der Themenfindung über die Projektorganisation bis hin zu Fragen der Ergebnisdokumentation, die im Schlusskapitel behandelt werden, ab. Kästen und Abbildungen liefern anschauliche Hinweise und die weitgehend der Humangeographie entstammenden Forschungsbeispiele sind gut ausgewählt und dokumentiert. Empirische Forschung wird als das dargestellt, was sie ist: Systematische, regelgeleitete und reflektierte Arbeit, bei der man sich bestimmter Werkzeuge bedient. Diese Entmystifizierung von empirischer Forschung ist gerade für Studierende hilfreich. Aber auch das andere Extrem, die rein pragmatische Vermittlung von Methoden, wird vermieden, da diese - wenn auch knapp - erkenntnistheoretisch verortet werden.
Die klare, einfach gehaltene Sprache und die allgemein gute Gestaltung des Lehrbuchs (z.B. durch eine Randspalte mit zentralen Begriffen und ein Stichwortverzeichnis) und die Gliederung des Buchs entlang des idealtypischen Ablaufes eines Forschungsprozesses erhöhen den praktischen Wert des Lehrbuchs.
Reuber/Pfaffenbach geht es erkennbar darum, bei den Studierenden eine kritische Einstellung gegenüber positivistischen Formen der Wissenschaft zu befördern. Dieses Anliegen wird konsequent, wenn auch zuweilen etwas redundant, verfolgt.
Das Buch präsentiert sich insgesamt etwas textlastiger und komplizierter. Wenn es um Studierende gehen soll, fragt man sich, warum man diese Zielgruppe mit en passant gestreuten Wortungetümen wie dem von der "Schwingung des alten Qualifax-Quantifax-Pendels" (um die es dann aber doch nicht gehen soll, 24) quält, oder warum man die "berühmte(n) Kontroverse zwischen Habermas und Foucault ... hier nur als Beispiel" für den Disput um den Diskursbegriff erwähnt, ohne der studierenden Leserschaft zu erklären, was damit gemeint ist (219).5
Einzelne Methoden werden zum Teil fast schon etwas zu ausführlich behandelt, wenn man bedenkt, dass das Buch nicht mehr als einen ersten Überblick geben kann und man, wenn man sich näher mit einer Methode beschäftigen will, sowieso auf andere Werke zurückgreifen muss. Trotz guter einordnender Abbildungen und Schemata leidet der Gebrauchswert des Buchs unter seiner Weitschweifigkeit und der etwas unübersichtlichen Gestaltung - insbesondere das Fehlen eines Stichwortverzeichnisses schlägt hier negativ zu Buche. Meier Kruker/Rauh eignet sich wesentlich besser zum Nachschlagen und zur ersten Orientierung und will erkennbar zur eigenen Forschung ermutigen.
Trotz oberflächlich betrachtet ähnlicher Inhalte setzen die Lehrbücher sehr unterschiedliche Schwerpunkte und sind in unterschiedlichem Maße zugänglich. Im Endeffekt sind aber beide eine große Bereicherung für die Methodenlehre in der Humangeographie, indem sie qualitative Methoden erstmals mehr oder weniger gleichwertig neben quantitativen Ansätzen behandeln. Die Kombination beider Ansätze wird zwar erwähnt, aber nicht im Detail besprochen. Die Darstellung quantitativer Methoden in beiden Lehrbüchern unterscheidet sich am wenigsten voneinander und bietet jeweils einen guten Einstieg in quantitative Ansätze, ohne Lehrbücher zu empirischer Sozialforschung oder Statistik ersetzen zu wollen.
Anmerkungen
1 Bei Meier Kruker/Rauh ist Erstere für das Kapital zu qualitativen Ansätzen, Letzterer für das Kapitel zu quantitativen Ansätzen verantwortlich (2). Die Arbeitsteilung wird bei Reuber/Pfaffenbach nicht näher kenntlich gemacht
2 Etwas überspitzt könnte man übersetzen: "Es ist zwar Quatsch, aber es bringt uns Geld und Ruhm!"
3 Im Übrigen wird auf die "methodologisch angemessenere Weiterentwicklung und Integration der Beobachtungsverfahren" in der konstruktivistischen Humangeographie hingewiesen (64).
4 In einer schematischen Darstellung werden dann aber als Kategorien von Diskursanalyse "handlungsorientiert (interpretativ)", "strukturalistisch" und "poststrukturalistisch (struktural-pragmatisch)" unterschieden (208). Warum die Sprachpragmatik unter der Rubrik Poststrukturalismus und nicht unter handlungsorientierten Ansätzen auftaucht, ist ebenfalls unklar.
5 Abgesehen davon hat diese "berühmte Kontroverse" nach meinem Wissen gar nicht stattgefunden, weil Foucault verstarb, bevor er auf die Eröffnung der Debatte durch Habermas antworten konnte.
Literatur
Flick, Uwe, Ernst von Kardorff, Ines Steinke (Hg.) 2003: Qualitative Forschung. Ein Handbuch. Reinbek bei Hamburg.
Haggett, Peter 1991: Geographie - eine moderne Synthese. Stuttgart.
Hirschauer, Stefan 2003: Konstruktivismus. In: Ralf Bohnsack et al. (Hg.): Hauptbegriffe Qualitativer Sozialforschung. Opladen. 102-104.
Lamnek, Siegfried 2005: Qualitative Sozialforschung. Weinheim.
Mayring, Philipp 2002: Einführung in die qualitative Sozialforschung : eine Anleitung zu qualitativem Denken. Weinheim.
Wessel, Karin 1996: Empirisches Arbeiten in der Wirtschafts- und Sozialgeographie. Paderborn.
Autor: Dirk Gebhardt

Quelle: geographische revue, 9. Jahrgang, 2007, Heft 1/2, S. 94-101

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