Richard Dikau, Juergen Weichselgartner: Der unruhige Planet. Der Mensch und die Naturgewalten. Darmstadt 2005. 191 S.

Während im englischen Sprachraum in den jüngsten Jahren verschiedene Lehrbücher und Textbooks zum Themenbereich Naturgefahren erschienen sind, gab es in deutscher Sprache seit Robert Geipels im Jahr 1992 erschienen Betrachtungen zu „Naturrisiken: Katastrophen im sozialen Umfeld“ keine nennenswerten Beiträge in Buchform.

Das von Richard Dikau und Juergen Weichselgartner vorgelegte Buch versucht diese Lücke zu schließen. Dieser Versuch ist umso interessanter, als er auch einen interessanten Beitrag zu der laufenden Diskussion einer neuen integrativen Geographie liefert, wird doch der Umgang mit Risiken allgemein und Naturrisiken im Speziellen als ein mögliches Feld der Integration zwischen Human- und Physiogeographie gesehen. Die Tatsache, dass die beiden Autoren sehr unterschiedlichen thematischen Schwerpunktrichtungen innerhalb der Geographie zuzurechnen sind, kann in diesem Sinne als spannendes, und das sei hier schon zum Ausdruck gebracht, wirklich gelungenes Experiment bezeichnet werden.

Die Autoren gliedern das Buch in sieben Kapitel sowie einen Anhang, bestehend aus einem Glossar, das bei Behandlung dieser Materie aufgrund der oft sehr widersprüchlichen Definitionen extrem wichtig ist, einem Literaturverzeichnis, das die wesentlichen Arbeiten der letzten zehn Jahre auflistet, sowie einem kurzen Register. Ausgehend von Überlegungen zur globalen Dimension von Naturkatastrophen (Kapitel 1) werden die naturräumlichen Dimensionen von Naturgefahrenprozessen (Kapitel 3) genauso angesprochen wie die gesellschaftlichen Entwicklungen und das damit verbundene größer werdende Schadenspotential (Kapitel 4). Mit zunehmender Integration werden verschiedene Aspekte des Risikogedankens wie Risikowahrnehmung oder Risikokultur (Kapitel 5), als Ausdruck der Mensch-Natur-Interaktion, diskutiert. Zwei Kapitel befassen sich mit den grundlegenden Konzepten des Naturkatastrophenmanagements (Kapitel 2) sowie konkreten Teilschritten, wie z.B. Katastrophenvorsorge und Katastrophenbewältigung (Kapitel 5). Fallbeispiele, die sowohl hinsichtlich der diskutierten Prozesse als auch in der regionalen Verteilung gut gewählt sind, runden die Darstellung ab (Kapitel 6). In einem abschließenden Kapitel werden vor dem Hintergrund der vielfältigen Prozesse des Globalen Wandels im Naturraum und in der Gesellschaft Zukunftsperspektiven andiskutiert, die vielleicht auch als Anregung zum eigenen Nachdenken verstanden werden können. Zusammenfassend kann das Buch von Richard Dikau und Juergen Weichselgartner als ein Muss für alle bezeichnet werden, die sich mit den unterschiedlichen Aspekten von Naturkatastrophen befassen. Die reiche Bebilderung, die gut lesbaren graphischen Darstellungen sowie die verständliche und wissenschaftlich korrekte Textgestaltung sorgen für ein gelungenes Buch.

 

Autor: Hans Stötter

 

Quelle: Die Erde, 138. Jahrgang, 2007, Heft 4, S. 385

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