Birgit Mahnkopf (Hg.): Management der Globalisierung. Berlin 2003. 351 S.

"Wozu noch ein Buch über Strukturen, Prozesse und Akteure der Globalisierung?", fragt Hg. (7). Weil es sich um einen komplexen, widersprüchlichen Prozess handelt, der sich auf veränderte Geld- und Kapitalmärkte, Produktions- und Arbeitsweisen, Staats- und Rechtsformen etc. bezieht. Dies erfordert es immer wieder, unterschiedliche Perspektiven und Einzelanalysen zusammenzubringen.

Aus ökonomischer Sicht etwa thematisiert Hansjörg Herr das in den Entwicklungsländern herrschende Problem der Außenverschuldung in fremder Währung und fordert, "zur Stabilisierung der ökonomischen Beziehungen zwischen den Zentren und den Entwicklungsländern die Kapitalströme so zu steuern", dass "Entwicklungsländer in eine langfristige Konstellation von Leistungsbilanzüberschüssen kommen" (77). Die aus der Deregulierung der internationalen Finanzarchitektur entstehende Frage, "welche Wechselkursregime Entwicklungs- und Schwellenländer heute noch wählen können", beschäftigt auch Heribert Dieter (323). Während er beschränkte Kapitalverkehrskontrollen befürwortet, hält Hans-Joachim Stadermann es für unmöglich, sich "einer Politik der weniger harten Währung zu entziehen" (98). Joachim Scholz-Ligma unterscheidet verschiedene Strategien des "internationalen Marketing" (123) zwischen Standardisierung und Differenzierung der Güterproduktion (124). Er diskutiert aus betriebswirtschaftlicher Perspektive die Rolle länderspezifischer Faktoren - "die Kaufkraft, die Steuern, die Anzahl der Konkurrenten und Wettbewerbsintensität" (130) - für unternehmerische Konkurrenztaktiken. Ein kritisches Forschungsinteresse fehlt. Mahnkopf geht der Frage der global governance als einem "system of rules" nach (14) und verdeutlicht, dass die Öffnung nationaler Ökonomien "im Rahmen der Zollrunden des GATT, später der WTO und die Deregulierungsoffensive in den 1970er Jahren politisch gewollt waren und sind" (13). Obwohl global governance "im Unterschied zu Government über keine formelle Autorität verfügt" (19), führt es zur Erosion des traditionellen Nationalstaates, der Verf. - relativ vereinfachender - Ansicht nach "seit der Herstellung des Westfälischen Friedens von 1648 von den drei Prinzipien der Territorialität, Souveränität und Legalität geprägt wurde" (17). Synthetisierend stellt sie die mittlerweile bekannten, aber immer noch zentralen Aspekte der Umbruchsdebatte dar: das Auftreten "netzwerkartiger Steuerungsprozesse an Stelle hierarchischer Politikprozesse" (21), das potenziell zur Überwindung nationalstaatlicher Kompetenzverluste führen könne, die Denationalisierung des Staates sowie dessen Transformation im Prozess der Informalisierung und Lokalisierung der Politik. Gleichzeitig hebt Verf. zwei Widersprüche der global governance hervor: Erstens verfügen "die (meisten) Staaten" "noch immer allein über das förmliche Gewaltmonopol", und "nach wie vor" sind es "allein die Staaten, die Völkerrecht setzen können" (17). Zweitens stehen trotz der Internationalisierung der Entscheidungsprozesse die Charakteristika der "selektiven Weltherrschaft" - der "neuen nationalen Sicherheitsstrategien" der USA und des von ihnen "beanspruchten ›Rechtes auf Selbstverteidigung durch Präventivhandlungen‹ - in eklatantem Widerspruch zum allgemeinen Gewaltverbot der UN-Charta" (47). Zwar ist Globalisierung ein vielschichtiger und alles andere als widerspruchsfreier Prozess. Aber die begriffliche Heterogenität der in diesem Band versammelten Aufsätze, ihre disparaten Ansätze und unzusammenhängenden Fragestellungen sowie die unkritische Einführung von Konzepten wie z.B. des "internationalen Personalmanagements" (Laila Maija Hofmann, 191) vermitteln einen Begriff der Globalisierung, den Jessop zurecht als "chaotic concept" kritisiert hat. Dieses Problem lässt sich auch nicht, wie Mahnkopf in der Einleitung hoffte, unter Verweis auf die "Pluralität der Ansätze" auflösen.
Autorin: Maria Markantonatou

Quelle: Das Argument, 46. Jahrgang, 2004, S. 152-153



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