Kerstin Dörhöfer: Shopping Malls und neue Einkaufszentren. Urbaner Wandel in Berlin. Berlin 2008. 189 S.

Mit dem Band zu Großprojekten des Einzelhandels in Berlin erweist sich Kerstin Dörhöfer als exzellente Kennerin der Berliner Stadtentwicklung. Das Werk ist entstanden mit Unterstützung verschiedener einschlägiger Institutionen wie der Industrie und Handelskammer Berlin sowie dem Handelsverband Berlin-Brandenburg. In der Arbeit revidiert die Autorin ihre 1998 geäußerte skeptische Sicht auf die Shopping Malls ("Wer eine kennt, kennt alle", Utopia und die Shopping Mall, in: RaumPlanung 81). In der Stadtplanung werden Shopping Center überwiegend kritisch gesehen, und die Gefahr der Auflösung der Stadt und des Verschwindens der Städte durch Suburbanisierung gerade auch des Einzelhandels verschweigt Kerstin Dörhöfer keineswegs.

Der Darstellung der innerstädtischen Stadtstrukturen und ihrer Veränderung durch den neuen Gebäudetyp der Shopping Mall ist ein historischer Rückblick über die Entwicklung der Einzelhandelsarchitektur weltweit vorangestellt, angefangen bei den Passagen des 18. Jahrhunderts über die Warenhäuser des 19. Jahrhunderts und die Highway Shopping Center des 20. Jahrhunderts bis zu den Malls, in Grundrissen und Bildern. Auf dieser Grundlage geht Dörhöfer dann auf die Berliner Verhältnisse ein. Ohne die Entwicklung Ost-Berlins zur Zeit der Teilung der Stadt zu vernachlässigen, stellt die Autorin Vorläufer der Shopping Malls in Berlin vor, vom "Europa-Center" über das "Forum Steglitz" bis hin zum "Tegel-Center". Demnach bestanden 2003 in Berlin 62 Center mit einer Mindestgröße von 5 000 m2, deren Verkaufsfläche sich in den 13 Jahren seit 1990 massiv erhöht hatte, um 83 % auf insgesamt 1,89 Mio. m2. Eine Karte zeigt auch die Verteilung dieser Großprojekte des Einzelhandels über die Stadt auf. Dörhöfers These bezüglich der Strategie der Malls ist: "Der Markt braucht Masse, der Markt braucht Emotionen"; der Erlebniskauf hat den Versorgungskauf abgelöst. Täglich besuchen 20-30.000 Menschen die großen Malls in Berlin - "steinerne Monolithen", nach außen völlig abgeschottet - nicht nur um zu kaufen, sondern auch, um sich an den visuellen Verlockungen zu erfreuen. Exemplarisch werden 10 Shopping Malls untersucht, erläutert durch das Wesentliche zeigende Lageskizzen sowie eigene Fotos: die "Spandauer Arkaden", das "Forum Köpenick", die "Gropius Passagen", das "Märkische Zentrum", das "Zentrum Helle Mitte", das "Ring-Center I und II", das "Gesundbrunnen-Center", die "Schönhauser Allee Arcaden", die "Kaiser-Wilhelm-Passage" und das "Neue Kranzler Eck". Dabei kommt die Autorin zu dem Schluss: Jedes der Berliner Zentren entwickelt neben dem gleichbleibenden Angebot von Magnetstores und Filialisten jeweils eine eigene, dem urbanen Umfeld angepasste Architektur und Ausstattung. Mit dieser Schlussfolgerung spricht sie sich gegen ihre 1998 geäußerte Meinung der monotonen Wiederholung in den Shopping Malls aus. Kehrseite allerdings ist die bedrohliche Konkurrenz für den jeweils im Umfeld bestehenden Einzelhandel. Die Malls sind zu eigenen Stadtzentren geworden, die in vielen Situationen auch architektonische Mannigfaltigkeit erdrücken können. In ihren Momentaufnahmen schildert Kerstin Dörhöfer den urbanen Wandel in Berlin durch die großen Einkaufszentren in hervorragender Weise. Mit ihrem Buch hat sie ein Handbuch für Architekten, Kaufleute und Stadtplaner geschaffen, das in keinem Bücherschrank eines entsprechenden Büros (oder Haushalts) in Berlin fehlen dürfte.
Autor: Dieter Biewald

Quelle: Die Erde, 140. Jahrgang, 2009, Heft 1, S. 91

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