Astrid Wallner, Elisabeth Bäschlin, Martin Grosjean, Toni Labhart, Ursula Schüpbach, Urs Wiesmann (Hg.): Welt der Alpen – Erbe der Welt. UNESCO Welterbe-Region Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn. Bern 2007 (Jahrbuch der Geographischen Gesellschaft Bern 62).

Ein Wegweiser mit drei Pfeilen ziert das Bild zur Einführung: „Great Barrier Reef 17 200 km“, „Yellowstone 13 200 km“ und „UNESCO Weltnaturerbe Jungfrau–Aletsch–Bietschhorn 3,7 km“. Damit werden gleich die Maßstäbe gesetzt, an denen man sich messen will.

Und dazu gehört selbstverständlich: ein Buch, erschienen als 62. Jahrbuch der Geografischen Gesellschaft Bern. Rund 30 Jahre dauerte es, bis die UNESCO ein erstes Gebiet der Alpen als Weltnaturerbe auszeichnete, das Zentrum der Berner Alpen mit seinen Wahrzeichen Eiger, Mönch und Jungfrau und den drei größten Alpengletschern Aletsch-, Unteraar- und Fieschergletscher. Das nun bei Haupt erschienene Buch beleuchtet das Welterbe und die Region, in die es eingebettet ist in 14 Kapiteln und einem Vorwort von Bruno Messerli. Er war maßgeblich dafür verantwortlich, dass in diesem föderalen System die breite Unterstützung für die Unterschutzstellung einer geografisch einmaligen Typlandschaft der Alpen möglich wurde. Kapitel 10 zur Raumentwicklung zeigt denn auch die Komplexität dieses Unterfangens auf: es galt, die Zustimmung der Bevölkerung aus 26 Gemeinden, verteilt auf fünf Planungsregionen in zwei Kantonen (Bern und Wallis) zu gewinnen. Gleichzeitig sind diese 26 Gemeinden in 10 Tourismusdestinationen organisiert (Kapitel 12), die durchaus in Konkurrenz zueinander stehen. Zusammen mit dem Schlusskapitel zum Managementkonzept (Kapitel 14: Zwischen Schutz und Nutzung) ergibt sich bereits ein aufschlussreicher Einblick in eine Fallstudie, wie eine nachhaltige Unterschutzstellung einer einmaligen Landschaft bei gleichzeitiger Stärkung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der lokalen Bevölkerung versucht wird.

Der Aufbau des Buches beginnt traditionell mit den physisch-geografischen Kapiteln zu Geologie (Labhart), Glaziologie (Zumbühl und Holzhauser), Hydrologie (Weingartner), Naturgefahren (Kienholz et al.) und Pflanzen- und Tierwelt (Küttel). Darauf folgen zwei Kapitel über die Wissenschaft, das erste zur Erkundung und Erforschung seit Albrecht von Haller (Labhart und Wallner), das zweite zur Hochalpinen Forschungsstation Jungfraujoch (Flückiger). Zur Geschichte (vom Hirtenland zum Erlebnispark) steuert Hans von Rütte einen lesenswerten Aufsatz bei, der einen weiten Bogen von den ersten Zeugen aus der Jungsteinzeit bis zu den letzten Zeugen der Fun-Gesellschaft spannt, für die das Landschaftsbild auf den Informationswert der Sportausübung reduziert ist. Damit wird auch zum humangeografischen Teil übergeleitet, in dem der Leser alles Wissenswerte erfährt über Regionalentwicklung (Isabel Aerni et al.), Landwirtschaft (Egli), Tourismus (Wiesmann et al.), Natur- und Landschaftsschutz (Hammer) und Management (Wiesmann et al.). Die reiche Ausstattung des Buches mit aktuellem und historischem Bildmaterial wird ergänzt durch eine Vielzahl von thematischen Karten zu allen Themen des Buches, die es damit zur idealen Grundlage für Exkursionen machen. Das Buch besticht durch sein abgerundetes geografisch fundiertes Gesamtbild, wobei allerdings die einzelnen Autoren recht unterschiedliche wissenschaftliche Tiefe erreichen. Aus dieser Sicht etwas enttäuschend ist das teilweise Fehlen einer wissenschaftlich genauen Referenzierung der verwendeten Literatur, die außerdem in etlichen Kapiteln auf eine zum Teil recht knapp gehaltene Liste ausgewählter weiterführender Literatur reduziert worden ist. Dennoch kann dieses Buch jedem wärmstens empfohlen werden, der sich entweder mit der Geografie der Berner Hochalpen oder mit einer Fallstudie in Raumentwicklung einer peripheren Region unter der Maxime der direkten Beteiligung der lokalen Akteure befassen will.

Autor: Werner Eugster

Quelle: Die Erde, 138. Jahrgang, 2007, Heft 4, S. 392-393

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