Werner Klohn, Hans-Wilhelm Windhorst: Die neue frontier in den nördlichen Great Plains der USA: zur sozioökonomischen Dynamik in extrem dünn besiedelten Agrarwirtschaftsräumen. Vechta 2007 (Vechtaer Studien zur Angewandten Geographie und Regionalwissenschaft 28). 196 S.

Beide Verfasser haben in ihrer Vechtaer Reihe schon vier Hefte mit Beiträgen zu den Great Plains der USA vorgelegt; der neue Band schließt an die Studien über die ländlichen Räume der südlichen Plains von 1991 an. Schwerpunkt der wieder vor Ort durchgeführten Untersuchungen ist der massive Bevölkerungsrückgang in großen Teilen des ländlichen Raumes und dessen Folgen für Wirtschaft, Infrastruktur und die soziale Versorgung der verbleibenden Menschen (S. 14f.).

In seinem einführenden Beitrag zeigt W. Klohn die Bevölkerungsentwicklung für die nördlichen Plains-Staaten insgesamt sowie für ausgewählte Counties im östlichen Montana und in der Sandhill-Region von Nebraska auf. Mit vielen Photos und Kartierungen werden vor allem die an den Bahnstrecken gegründeten Versorgungszentren dargestellt und deren Auflösung beschrieben. Die Entwicklung ist nicht neu und wurde schon oft untersucht. So hat auch der Rezensent in den 1960er und 70er Jahren den Strukturwandel im südlichen Alberta (Kanada) und im Wells Co. in Montana beschrieben; vor allem liegen zahlreiche lokale Untersuchungen zu dem Thema vor. Für den Niedergang der Zentralen Orte hätten die Reference Books von Dun & Bradstreet herangezogen werden können. Zwei wichtige Problemfelder, die sich bei abnehmender Bevölkerung und Neuorientierung für den ländlichen Raum ergeben, sind die schulische und medizinische Grundversorgung der Bewohner. H.-W. Windhorst hat sie für einige extrem dünn besiedelte Counties detailliert dargestellt. Das Netz von Schulen, Krankenhäusern und Altenheimen ordnet sich neu und wird weitmaschiger, die Versorgung wird zunehmend erschwert. Vom gleichen Verfasser wird die Ausbreitung der Sportjagd in den weiten Grasländereien aufgegriffen und die Frage nach neuen Perspektiven für den Raum gestellt. Obwohl viel Land aufgekauft wird, könnte die saisonal durchgeführte Jagd jedoch wohl nur für einige zentral und verkehrsgünstig gelegene Orte gute Einkommensmöglichkeiten bieten. Abschließend beschreibt W. Klohn die Entwicklungen in der Landwirtschaft der Sandhill-Counties in Nebraska, wo eine extensive Weidewirtschaft besteht. – Die 5 Beiträge zur aktuellen Situation in Problemgebieten der Great Plains zeigen einmal mehr den Wandel seit der Kolonisation im späten 19. Jahrhundert. Es wird deutlich, dass die Besiedlung an ökologische Grenzen stieß und zurückgenommen werden musste. Das führte zur Konzentration von Landbesitz, Farmstätten und Versorgungszentren und damit vor allem zu sozialen Problemen, die sich weiter verschärfen werden. Die vorliegenden Studien haben das eindrucksvoll bestätigt.

Autor: Karl Lenz

Quelle: Die Erde, 138. Jahrgang, 2007, Heft 4, S. 395

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