Stefanie Schröter: HIV/AIDS. Eine neue sozio-politische Herausforderung für Namibia. Berlin 2007 (Beiträge zu interdisziplinären Studien in Ländern des Südens 1). 192 S.

Namibia gehört zu den am stärksten von HIV/AIDS betroffenen Ländern der Welt: Die HIV-Prävalenzrate liegt bei den 15- bis 49-jährigen Namibiern bei knapp 20%. Die sich daraus ergebenden gesellschaftlichen und politischen Probleme sind Gegenstand des vorliegenden Werkes. Die Autorin führt den Leser zunächst im zweiten Kapitel mit einer allgemeinen Definition von HIV/AIDS und der Darstellung der aktuellen HIV/AIDS-Ausbreitung in Namibia unter Angabe statistischer Daten in das Thema ein. Eine Beschreibung der Ursachen für die Ausbreitung der Pandemie in Namibia schließt daran an, wobei die Autorin auf politische, sozioökonomische und soziologische Ursachen sowie auf den Zusammenhang zwischen Armut und HIV/AIDS eingeht. Darüber hinaus wird der Zugang zu Medikamenten respektive Therapien beschrieben.

Die Auswirkungen der Pandemie auf die wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Strukturen Namibias beschreibt die Autorin, ebenso wie die daraus resultierenden Herausforderungen für Politik und Gesellschaft, im dritten Kapitel. Hier wird insbesondere die Notwendigkeit des koordinierten, multisektoralen Vorgehens der beteiligten Akteure herausgestellt. Probleme bei der Umsetzung eines solchen Vorgehens sieht die Autorin u.a. in der kulturellen Heterogenität - die Bevölkerung Namibias setzt sich aus ethnischen Gruppen mit unterschiedlichen Kulturtraditionen zusammen - sowie im Fehlen finanzieller Mittel.
Im vierten Kapitel werden Maßnahmen zur Bekämpfung von HIV/AIDS in Namibia vorgestellt und bewertet. Einen Schwerpunkt bildet die Darstellung der namibischen HIV/AIDS-Politik: Staatliche Akteure, Strategiepläne zur Bekämpfung der Pandemie sowie deren Fortentwicklung werden ausführlich und anschaulich beschrieben. Auf die Finanzierungsstruktur der HIV/AIDS-Politik wird ebenfalls eingegangen. Nicht-staatliche Akteure wie christliche Kirchen, Nichtregierungsorganisationen und privatwirtschaftliche Initiativen stellt die Autorin exemplarisch anhand ausgewählter Maßnahmen vor.
In ihrer Bewertung kommt die Autorin zu dem Schluss, dass Namibia bei der Finanzierung von Maßnahmen zur Bekämpfung von HIV/AIDS fast ausschließlich auf Fremdmittel angewiesen ist, die jedoch nur zeitlich begrenzt zur Verfügung gestellt werden - was wiederum eine langfristig ausgerichtete HIV/AIDS-Politik erschwert. Außerdem wird kritisch angemerkt, dass traditionelle Autoritäten - als Vertreter der verschiedenen ethnischen Gruppen - zu wenig in die Maßnahmen einbezogen werden. Darüber hinaus ist, so die Autorin, eine stärkere Koordinierung der Maßnahmen und der beteiligten Akteure notwendig. Die Autorin schließt mit der Feststellung, dass HIV/AIDS auch in Zukunft eine sozio-politische Herausforderung sein wird - nicht zuletzt auch für die Konsolidierung der Demokratie in Namibia.
Stefanie Schröters Werk ist eine solide Einführung in den Themenkomplex "HIV/AIDS in Namibia". Seine Stärke liegt darin, einen raschen Überblick über die HIV/AIDS-Situation, die damit verbundenen sozio-politischen Herausforderungen und die beteiligten staatlichen Akteure zu bieten. Die Behandlung der nicht-staatlichen Akteure fällt zwar recht knapp aus, stellt aber dennoch anschaulich einige Maßnahmen vor, mit denen den sozio-politischen Herausforderungen begegnet wird. Die Schwäche des Werkes liegt in den häufigen Wiederholungen von Argumenten, Begründungen und Belegen. Dies ist zwar insofern erklärbar, als dass die Ursachen der Ausbreitung von HIV/AIDS gleichsam deren Auswirkung sind - sich also ein circulus vitiosus ergibt. Jedoch ist dieser - obgleich er von der Autorin erkannt wurde (siehe Kap. 4, S. 87) - nicht Erkenntnis leitend in denErörterungen berücksichtigt worden.
Gleichwohl kann das Werk Interessierten aus Wissenschaft und Praxis für den thematischen Einstieg empfohlen werden.
Autorin: Birte Kathage

Quelle: Erdkunde, 62. Jahrgang, 2008, Heft 2, S. 181-182

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