Peter Barber (Hg.): Das Buch der Karten. Meilensteine der Kartografie aus drei Jahrtausenden. Aus dem Englischen von Birgit Lamerz-Beckschäfer. Darmstadt 2006. 360 S.

Das vorrangig von englischsprachigen Autoren verfasste und von Peter Barber, dem Leiter der Kartensammlung der British Library, herausgegebene Werk liegt nun auch in deutscher Übersetzung vor, wobei die deutsche Version von Fachvertretern aus Mitteleuropa (wie Wolfgang Crom, Markus Heinz u.a.) geringfügig bearbeitet und erweitert wurde.

Insgesamt will der Band anhand zahlreicher, großteils bekannter Kartenbeispiele einen Überblick über die Entwicklung der Karten von den ältesten Dokumenten bis in das Zeitalter der Fernerkundung am Beginn des 21. Jahrhunderts geben. Das Konzept ist einfach, eine chronologische Abfolge von einzelnen Kartenbeispielen – vorrangig aus dem angelsächsischen Raum – wird beschrieben, erläutert und in den historischen Kontext gestellt. Die Reproduktion der Kartendokumente ist großteils gelungen, nur wenige Beispiele sind farbschwach. Eigenwillig ist die Nennung der Mitarbeiter, die nur indirekt aus einer Liste am Ende des Werkes entnommen und nach den Jahreszahlen den Kapiteln zugeordnet werden können. Weiterführende Literatur fehlt praktisch zur Gänze, nicht einmal das weltweit einzige „Lexikon zur Geschichte der Kartographie“ (Wien: Deuticke 1986) ist angeführt. Übersetzungen bringen auch Auffassungsunterschiede in wissenschaftlichen Teilgebieten noch stärker zur Geltung. Während in Mitteleuropa, insbesondere im deutschsprachigen Raum (Dresden, Hannover, München, Wien), Kartographie ein an Universitäten verankerter akademischer Ausbildungszweig ist und Kartographiegeschichte als – interdisziplinär ausgerichtete – legitime wissenschaftliche Teildisziplin angesehen wird, gilt für den angelsächsischen Raum, dass „Kartographie und ihre Geschichte kein grundlegender Teil der an englischsprachigen Universitäten gelehrten Geographie mehr ist“ (S. 7). Diese „Ferne“ zur Geographie und Kartographie beeinflusst die Verwendung von Fachbegriffen in dieser Übersetzung negativ. Das beginnt mit der Definition Karte, die in Mitteleuropa wesentlich schärfer gefasst wird, und setzt sich in anderen missverständlichen und fehlerhaften Zuordnungen fort. So sind z. B. Diagramme keine Karten und TO-Karten sind keine Diagramme. Dies widerspricht jedem Lehrbuch der Kartographie. Wir unterscheiden zwischen „Karten“ und „kartenverwandten Ausdrucksformen“, im gegenständlichen Werk werden Bezeichnungen wie „Globus“ und „Karte“ synomym verwendet, Parallelprojektionen mit Schrägansichten gleichgestellt oder die Unterschiede zwischen Bild und Karte negiert. Was sollen ferner Bezeichnungen wie „Erdsenkungen“ oder „Bodenhöhe“ bedeuten? Das Werk entbehrt nicht nur des Lektorates eines Fachwissenschaftlers sondern auch des Vorschlages, zumindest einen Teil der Kartenbeispiele regional auszutauschen. So kommen auch die bedeutendsten mitteleuropäischen Karten und Leistungen der Kartographie nicht vor, und Namen wie Berghaus, Petermann und Kiepert findet man in der deutschen Version ebenso wenig wie Hauslab, Peucker oder Kozenn. Somit liegt ein Buch für Freunde schöner Farbabbildungen vor, das aber für Studierende kaum empfohlen werden kann.

Autorin: Ingrid Kretschmer

Quelle: Die Erde, 138. Jahrgang, 2007, Heft 2, S. 148

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